Demenz wird in drei von vier Fällen nicht erkannt

Welt-Alzheimerbericht fordert, mehr Geld für die Diagnostik auszugeben

London. Die Diagnose kommt oft unnötig spät: Rund um den Globus leben dem Welt-Alzheimerbericht 2011 zufolge etwa 27 Millionen Menschen mit unentdeckten Demenzkrankheiten. Sie machen drei Viertel der geschätzten Gesamtzahl von 36 Millionen Demenzkranken weltweit aus, heißt es in dem Report, den Forscher des Londoner King's College gestern vorlegten.

Die Diagnose unterbleibe häufig, weil Mediziner der Auffassung seien, Demenz sei eine normale Folge des Älterwerdens. Den Betroffenen werde dadurch der Zugang zu geeigneten Medikamenten und Therapien verwehrt. Regierungen sollen "jetzt Geld ausgeben, um später zu sparen", fordert der Bericht. In Industrieländern betrage die Erkennungsquote für Demenzkrankheiten 20 bis 50 Prozent. Medikamente seien umso effektiver, je früher sie eingesetzt würden. Das sei "auch ein starkes wirtschaftliches Argument für rechtzeitige Intervention".

Bis zu rund 7500 Euro pro Patient könnten dadurch gespart werden, dass Patienten später in Heimen untergebracht oder im Krankenhaus behandelt werden müssen, rechnen die Experten vor. Ein entschlossenes ärztliches Handeln im Frühstadium etwa bei Alzheimer-Patienten könne die Unabhängigkeit und Lebensqualität verbessern.

Der Report war von Alzheimer Disease International in Auftrag gegeben worden. Nach dem Bericht wird sich die Zahl der Demenzpatienten weltweit drastisch erhöhen; im Jahr 2050 sei mit 115 Millionen Demenzkranken zu rechnen. Für das Jahr 2010 wurden die volkswirtschaftlichen Kosten der Erkrankung mit weltweit 604 Milliarden US-Dollar (701 Milliarden Euro) angegeben, rund ein Prozent der globalen Wirtschaftsleistung.

( (dpa) )

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