Zebrafinken kommt es auf die inneren Werte an

Bei den Weibchen zählt mehr die Persönlichkeit des Partners als sein Äußeres

London. Unternehmungslustige Zebrafinken-Weibchen fühlen sich eher zu Männchen hingezogen, die ebenso neugierig sind. Nicht Farbe oder die Länge des Schnabels, sondern ihr Verhalten mache die Männchen für die Damen attraktiv, berichtet der Biologe Sasha Dall von der Universität Exeter (Großbritannien) in der Zeitschrift "Ethology".

Dall und seine Mitarbeiter arbeiteten mit einer Gruppe von mehr als 150 Zebrafinken. In einer Versuchsreihe ermittelten sie die Abenteuerlust der Tiere, gemessen an der Bereitschaft, eine unbekannte Umgebung und unbekannte Objekte zu untersuchen. Anschließend ließen sie einzelne Weibchen verschiedene Männchen beobachten, wie diese neue Käfige begutachteten. Parallel wurde jeweils ein Männchen durch eine durchsichtige Plastikschachtel daran gehindert, den Käfig in Augenschein zu nehmen.

Kamen die Tiere schließlich wieder zusammen, so zeigte sich, dass Weibchen, die selbst sehr neugierig waren, die Männchen bevorzugten, die ihrerseits große Neugier gezeigt hatten, die Männchen aber links liegen ließen, die an der Untersuchung ihrer Umgebung gehindert worden waren. Den weniger neugierigen Weibchen dagegen schien das Verhalten der Männchen gleichgültig zu sein. Abenteuerlustige Weibchen bevorzugten ebenso neugierige Männchen anscheinend unabhängig von den Eigenschaften, die zum klassischen Schönheitsideal der Vögel zählen (etwa Körpergröße oder Schnabelfarbe als Zeichen körperlicher Fitness).

"Das ist ein deutliches Zeichen, dass die Weibchen mehr auf Hinweise zur Persönlichkeit eines Partners achten als auf sein Äußeres", kommentiert Sasha Dall. Dies sei das erste Anzeichen dafür, "dass es für Partner wichtig ist, zueinander passende Persönlichkeiten zu haben. Wir wissen alle, dass dies bei Menschen zutrifft. Es ist aber bisher nie bei anderen Arten beobachtet worden."

Frühere Studien an Vögeln und Fischen hatten gezeigt, dass neugierigere, untersuchungsfreudigere Paare auch aktivere Nachkommen bekommen, berichten die Forscher. Zum ersten Mal konnten sie mit ihrer Studie nun nachweisen, dass diese Charakterunterschiede eine Rolle bei der Partnerwahl spielen.