Männerüberschuss kann zu mehr Gewalt führen

Forscher warnen vor gezielter Abtreibung in China und Indien

Peking. Durch die selektive Abtreibung von Mädchen wird es in 20 Jahren in weiten Teilen Chinas und Indiens zwischen zehn bis 20 Prozent mehr Männer als Frauen geben. Eine Studie, die am Montag in der kanadischen Fachzeitschrift "Canadian Medical Association Journal (CMAJ)" veröffentlicht wurde, warnt jetzt auch vor den gesellschaftlichen Folgen, weil ein großer Teil der Bevölkerung durch den Frauenmangel nicht heiraten und keine Nachkommen haben kann.

"Es gibt Befürchtungen, dass die Unfähigkeit zu heiraten zu psychologischen Problemen und möglicherweise zu einer Zunahme von Gewalt und Verbrechen führt", schreibt Prof. Therese Hesketh vom Centre for International Health and Development in London.

Ursachen des Ungleichgewichts sind die traditionelle Bevorzugung männlicher Nachkommen, die einfache Bestimmung des Geschlechts von Ungeborenen mithilfe von Ultraschall und der leichte Zugang zu Abtreibungen. In Indien spricht für viele Eltern die benötigte hohe Mitgift bei der Heirat gegen ein Mädchen. In konfuzianischen, patriarchalischen Gesellschaftssystemen wie in China und Südkorea sind die Männer für die Altersversorgung der Eltern zuständig. Schon 2005 wurde in China geschätzt, dass die Zahl der Männer unter 20 Jahren die der Frauen um etwa 32 Millionen übersteigt.

Der Frauenmangel ermögliche es Frauen in China aber auch, sich "hochheiraten" zu können, heißt es in der aktuellen Studie. Zurück blieben vor allem arme, schlecht ausgebildete Bauern. In China seien derzeit 94 Prozent der Nichtverheirateten zwischen 28 und 49 Jahren Männer ohne Oberschulabschluss.