Forschung

Extremklima tötete Neandertaler

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Laut einer neuen Studie zerstörten Trockenzeiten die Lebensgrundlage der Urmenschen

Köln/Mettmann. Der Neandertaler ist einer neuen Studie zufolge durch extreme Klimaschwankungen ausgestorben. Davon geht eine Forschergruppe um Prof. Gerd-Christian Weniger, Leiter des Mettmanner Neanderthal-Museums, aus. In der Zeitschrift "Quaternary International" fügen die Forscher Ergebnisse aus Archäologie, Paläoanthropologie und Paläogenetik zusammen. "Wir haben die Daten lange evaluiert und sind nun überzeugt, dass wir den Mechanismus erkannt haben, der hinter dem Verschwinden der Neandertaler steht", erklärte Weniger. Auch frühere Studien hatten Klimaschwankungen als wahrscheinlichen Grund für das Aussterben der Urmenschenart ausgemacht.

Die Forscher gehen davon aus, dass die Jäger und Sammler in Europa die meisten Kälteschwankungen der Eiszeit überlebten. Wesentlich sei gewesen, dass es im nördlichen Mittelmeerraum Rückzugsmöglichkeiten gab. So habe sich ein Jo-Jo-Effekt ergeben: Die Besiedlungsgrenze des Menschen habe sich in Europa zwischen dem 53. und 45. Breitengrad auf und ab bewegt.

Die Klimaschwankungen im Abstand von 1000 Jahren seien durch sechs sogenannte Heinrich-Events verstärkt worden. Während dieser Kältephasen seien große Eisschilde von Nordamerika aus über den Atlantik getrieben und hätten neben einem weiteren Temperaturabfall für eine extreme Trockenphase gesorgt. Diese Trockenheit habe kurzfristig die Lebensgrundlagen der Jäger und Sammler in den Rückzugsgebieten zerstört. Die Forscher nehmen an, dass die Neandertaler in Europa während des vierten Heinrich-Events ausgestorben sind.

Danach seien die ersten anatomisch modernen Menschen aus Westasien nach Europa gekommen und vor etwa 30 000 Jahren ebenfalls ausgestorben. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hätten sich moderne Menschen und der Neandertaler in Westasien vermischt. "Weitere Vermischungen waren nicht möglich, denn in Europa lebten zu diesem Zeitpunkt keine Neandertaler mehr", so Weniger.