Die Schatzkiste des Naturforschers

18 000 Schmetterlinge blieben von Arnold Schultzes Lebenswerk.

Berlin. Es war anfangs nur ein alter Koffer. Staubig, verwaist und seit Jahrzehnten unbeachtet. Als der Publizist Hanns Zischler und die Illustratorin Hanna Zeckau bei Recherchen im Berliner Naturkundemuseum auf die Kiste aus Übersee stießen und sie öffneten, kam ein Schatz ans Licht: 18 000 Schmetterlinge aus dem kolumbianischen Hochland, einer schöner als der andere, sorgsam in Papier gefaltet und in Zigarrenkisten verpackt.

Der Koffer gehörte dem deutschen Forscher Arnold Schultze (1875-1948), der in den 20er- und 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts Südamerika durchreiste, Kostbarkeiten der Flora und Fauna sammelte - und zum Schluss fast alles im Ozean verlor. 1939 schickte Schultze von Kolumbien aus den Schmetterlingskoffer an das Naturkundemuseum. Er selbst trat wenige Wochen später die lange Heimreise nach Deutschland an. Doch das Schiff geriet in die britische Atlantik-Blockade und wurde versenkt - und mit dem Frachter gingen seine zoologischen und botanischen Sammlungen für ewig unter. Schultze wurde interniert und fand seine letzte Heimat auf Madeira. Seine Schmetterlinge aber kamen unversehrt in Berlin an - und schlummerten jahrzehntelang in "Koffer 41/Trockenmaterial", bis sie jetzt aus ihrem staubigen "Kokon" geschält wurden.

Schultze war ein "Schmetterlingsmensch", einer, der in den Faltern keine Jagdtrophäen sah, sondern ihre Anmut und Besonderheiten beschreiben wollte. Bei der Lektüre seiner Tagebücher, Notizen und Aufsätze lernten Zischler und Zeckau einen erstaunlichen Botaniker, Zoologen, Naturschützer, Geografen und Schriftsteller kennen, der die beiden Koffer-Entdecker zu einem Buch über eine fast vergessene Forscher-Persönlichkeit inspirierte. Ihr Werk "Der Schmetterlingskoffer" erscheint am 23. September im Galiani Verlag.