Essgewohnheiten

Durch unsere Ernährung verarmt die Darmflora

Kinder aus Industrienationen sind deshalb anfälliger für Autoimmunerkrankungen

Florenz. Ernährungsgewohnheiten in der westlichen Welt scheinen die Darmflora ungünstig zu verändern. Damit werden die Menschen womöglich anfälliger für Darmkrankheiten und Übergewicht, vermuten Forscher nach einem Vergleich der Bakterien im Darm von 14 Kindern aus Burkina Faso und 15 aus der italienischen Stadt Florenz.

Afrikanische Kinder essen viel Getreide und Gemüse, nur selten ein wenig Hühnerfleisch. Die Nahrung ist reich an Stärke und Ballaststoffen, enthält wenig Fett und tierische Proteine. Die Kinder ernährten sich damit in etwa so, wie es die Menschen vor rund 10 000 Jahren taten, schreiben die Forscher der Universität Florenz in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften. Ganz anders die Mahlzeiten in Italien: Wie in anderen Industrienationen herrschen viel Zucker, Stärke, Fett und tierische Proteine vor. Ballaststoffe machen nur einen kleinen Anteil aus.

Dieser Unterschied in der Ernährung spiegelte sich in der Zusammensetzung der Darmbakterien wider: Bei den afrikanischen Kindern fanden die Forscher einen deutlich höheren Anteil Actinobacteria und Bacteroidetes, zwei der vier dominierenden Bakterienstämme im Darm. Bei italienischen Kindern kamen die beiden anderen Stämme häufiger vor - Firmicutes und Proteobacteria. Vor allem das Verhältnis von Firmicuten zu Bacteroidetes trenne afrikanische von europäischen Kindern, heißt es. Nach anderen Studien unterscheide dieses Verhältnis auch übergewichtige von normalgewichtigen Menschen. Vermutlich seien Kinder aus Industrienationen deshalb anfälliger für Übergewicht.

Und durch die "Verarmung" gehen der Darmflora bei Kindern aus Industrienationen einige ihrer schützenden Eigenschaften verloren. Möglicherweise sei dies für die Zunahme an Autoimmunerkrankungen und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen in Industrieländern verantwortlich. Solche Erkrankungen sind in Afrika so gut wie unbekannt.