Schon die Neandertaler nutzten Zahnstocher

Bonn. Schon der Neandertaler nutzte Zahnstocher: Unverkennbare Rillen in den Zähnen deuten nach jüngsten Erkenntnissen auf eine intensive Mundhygiene des Urmenschen hin. So zeige ein erst vor wenigen Jahren im Neandertal nahe Mettmann gefundener Backenzahn horizontale Kratzspuren von fast sieben Millimetern Länge, fand ein deutsch-amerikanisches Forscherteam jetzt heraus. "Da hat jemand über einen langen Zeitraum wohl mit einem Hölzchen gepult", sagte der Neandertaler-Experte Ralf W. Schmitz, Fachreferent für Vorgeschichte am LVR-Landesmuseum in Bonn. "Die Kratzspur ist ganz eindeutig: immer an der gleichen Stelle, immer in die gleiche Richtung."

Neben dem kürzlich ausgegrabenem Backenzahn sei in Europa "eine Handvoll" weiterer Neandertaler-Zähne mit Kratzrillen bekannt geworden. Die Belege für den Einsatz des Steinzeit-Zahnstochers fänden sich immer dann, wenn damit "ein therapeutischer Zweck erfüllt worden ist", sagte Schmitz. So fänden sich die Rillen in der Nähe von Zahnlücken, in denen sich Fleischreste hätten festsetzen und zu Entzündungen führen können.