Ingenieure wollen Ölfontäne mit neuem Zylinder stoppen

Im Kampf gegen die verheerende Ölpest im Golf von Mexiko hat BP damit begonnen, eine verbesserte Absaugvorrichtung zu installieren

Washington. Es ist eine Operation mit hohem Risiko. Bevor sich die Ingenieure von BP daranmachen, einen neuen riesigen Zylinder über das Öl-Leck in 1500 Meter Tiefe im Golf von Mexiko zu stülpen, mussten sie erst einmal eine alte "Kappe" entfernen. Daher strömt das Rohöl seit Sonnabendmittag völlig ungehindert ins Meer. Bis der neue "Hut" richtig sitzt und abgedichtet ist, können bis zu sieben Tage vergehen.

BP-Manager Kent Wells wollte sich gestern nur verhalten äußern: "Wir hatten eine erfolgreiche Nacht." Wenn alles gut geht, will BP in den nächsten Tagen erreichen, dass "alles oder so gut wie alles" ausströmende Öl von dem neuen, rund 30 Meter hohen und 100 Tonnen schweren Zylinder aufgefangen und auf mehrere Schiffe abgesaugt wird. Das wäre der erste Lichtblick seit dem Unglück auf der Bohrinsel "Deepwater Horizon", das am 20. April die größte Ölkatastrophe der US-Geschichte auslöste. Seitdem fließen nach Schätzungen von Regierungsbehörden Tag für Tag bis zu 8200 Tonnen Rohöl in den Golf von Mexiko. Lediglich gut 2000 Tonnen werden nach Angaben von BP bisher pro Tag auf Schiffe abgepumpt. BP wollte noch am Sonntagabend ein drittes Schiff einsetzen: Der "Helix Producer" soll aus dem "Blowout Preventer" täglich mehr als 3400 Tonnen Öl aufnehmen.

Die Montage des neuen "Deckels" ist ein höchst kompliziertes Unterfangen. Mit ferngesteuerten Robotern müssen es die BP-Ingenieure bewerkstelligen, einen Rohrstumpen mit zackigen Enden abzuschrauben, der aus dem "Blowout Preventer" ragt und verhinderte, dass der bisherige "Hut" fest genug saß.

Eile ist auf alle Fälle angesagt: Die Hurrikansaison hat längst begonnen. Eine Schlechtwetterzone könnte alle Rettungsversuche vorerst zunichte machen. Erst kürzlich hatte ein Hurrikan, der die Unglücksstelle rund 60 Kilometer vor der Küste Louisianas lediglich streifte, alle Arbeiten ruhen lassen.

Eine endgültige Lösung können aber erst die beiden Parallelbohrungen bringen, mit deren Hilfe man Nebenzugänge zum Hauptbohrloch legt. Eine erste Bohrung könnte Ende dieses Monats ihr Ziel erreicht haben, sodass Schlamm und Zement zum endgültigen Versiegeln der Quelle eingeleitet werden könnten. Diese Aktion sei aber erst Anfang oder Mitte August abgeschlossen, heißt es.