Männer brauchen klare Ansage

Weil die Geschlechter unterschiedlich kommunzieren, gibt es auch im Job häufig Missverständnisse

Berlin. "Der Toner müsste mal gewechselt werden." Bei so einem Satz springen Frauen auf und rennen zum Kopierer. Die männlichen Kollegen bleiben sitzen. Der ein oder andere denkt sich vielleicht: Ja, stimmt. Das war es aber auch. Büroszenen wie diese zeigen Kommunikationsunterschiede zwischen Männern und Frauen. Eine versteckte Aufforderung komme bei Männern nicht an, sagt Kommunikationstrainerin Cornelia Topf aus Augsburg. Das sei kein böser Wille. "Männer brauchen klare Anweisungen."

Ein ähnlicher Fall: Eine Mitarbeiterin fragt ihren männlichen Kollegen: "Sollten wir nicht mal wieder ein Meeting einberufen?" Die Reaktion bleibt aus. "Eine Frau will eigentlich nur höflich sein", erklärt Topf. Sie will niemandem einen Termin vorschreiben. Doch sie hätte besser ihrem Kollegen sagen sollen, dass nächste Woche Mittwoch um 14 Uhr ein Treffen stattfindet. Das Problem: Frauen drücken sich indirekt aus, benutzen häufig den Konjunktiv. Damit wollen sie ein gutes Arbeitsklima erzeugen. "Aber auf Männer wirkt das unsicher und unterwürfig."

Frauen seien meist nach den Spielregeln der nonhierarchischen Kommunikation sozialisiert worden, Männer nach denen der hierarchischen, sagt Karrieretrainerin Marion Knaths aus Hamburg. Ein Beispiel aus einer x-beliebigen Konferenz: Frauen sprechen ihren Vorschlag laut in die Runde. In der hierarchischen Kommunikation sei das ein großer Fehler, sagt Knaths. Wenn eine rangniedere Person in die Runde spreche, sei das nicht mehr als ein Rauschen in den Ohren des Chefs. So kann es passieren, dass ein männlicher Kollege etwas später den gleichen Vorschlag macht, aber direkt den Ranghöchsten anspricht - und gehört wird.

Unterschiede gibt es auch bei der Annahme von Lob. Werden Männer gelobt, strecken sie die Brust heraus und denken: "Ja klar, habe ich gut gemacht." Frauen lehnen Lob in der Regel stärker ab als Männer. "Die meisten werten es ab", sagt Kommunikationsexpertin Claudia Enkelmann aus Königstein im Taunus. Männer reden darüber, was sie geleistet haben; Frauen warten ab, dass ihre Leistung entdeckt wird.

Solche geschlechtsspezifischen Missverständnisse müssen nicht sein, betonen die Fachfrauen, man könne die Regeln des jeweils anderen Kommunikationssystems erlernen. Claudia Enkelmann: "Wenn ich als Frau aufsteigen will, muss ich lernen zu führen." Dazu gehöre auch, Anweisungen nicht als Bitte zu formulieren.