Bauprojekt bedroht weltgrößte Tierwanderung

Mitten durch die Serengeti soll eine Schnellstraße geführt werden, die Hunderttausende Tiere von Wasserquellen abschneiden würde

Frankfurt. Jedes Jahr durchstreifen fast zwei Millionen Gnus, Zebras und Antilopen die Serengeti, eine Savannenlandschaft in Ostafrika, die sich vom Norden Tansanias bis nach Südkenia erstreckt und bekannt wurde durch Bernhard Grzimeks Film "Serengeti darf nicht sterben". Auf der Suche nach Wasser legen manche Gnus mehr als 2000 Kilometer zurück. Es ist die letzte große Tierwanderung der Welt - und sie ist in Gefahr: Im Norden des Serengeti-Nationalparks wolle die tansanische Regierung eine 53 Kilometer lange Schnellstraße für Lkw bauen, die mitten durch die Wanderungsroute schneiden würde, berichtet die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF). "Das wäre eine Katastrophe", sagt Sprecherin Dagmar Andres-Brümmer.

"Experten schätzen, dass sich allein der Gnu-Bestand von 1,3 Millionen auf 300 000 Tiere verringern könnte." Der Grund: Während der Trockenzeit ziehen die Herden nach Norden, weil es nur dort genügend Wasser gibt. Dieser Weg würde nun versperrt, zumal die Straße wahrscheinlich eingezäunt werde, so Andres-Brümmer. Die ZFG plädiert für eine deutlich längere Alternativroute, die im Süden um den Park führen würde, und appelliert vor allem an Reiseveranstalter, Druck auszuüben: "Wenn die Tierwanderung zerschnitten wird, führt das auch zu einem Rückgang des Tourismus."