Forschung

Alles Banane - Protein der Frucht blockiert Aids-Virus

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Ein Protein aus der Banane (Musa acuminata) setzt sich an der Zuckerhülle des Aids-Erregers HIV fest und verhindert, dass Zellen infiziert werden. Dieses Bananenprotein aus der Familie der Lektine ist dabei ähnlich erfolgreich wie zwei verbreitete Aids-Medikamente, schreibt die Gruppe um David Marvovitz von der University of Michigan in Ann Arbor im "Journal of Biological Chemistry". Ähnliche Lektine wurden bereits in anderen Pflanzen entdeckt, etwa im Kleinen Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), in der Gelben Narzisse (Narcissus pseudonarcissus) und der Amaryllis (Hippeastrum hybrid).

Allerdings hilft es nicht, die Früchte zu essen, denn die Proteine werden in Magen und Darm verdaut. Für ihre Experimente hatten die Forscher die Lektine isoliert und deren Wirkung im Reagenzglas geprüft. Sie binden sich an das von feinen Zuckermolekülen besetzte HIV-Protein gp120, schreibt das Team. gp120 nimmt eine Schlüsselstelle bei der Infektion der menschlichen Immunzellen ein. Wie mit einem Anker heftet sich der Erreger damit an der Außenhülle der Zelle an. Ist dieser gp120-Anker von Lektinen umgeben, die ihn maskieren, kann er seiner Aufgabe nicht mehr nachkommen - und das HI-Virus kann die Zellen nicht mehr infizieren.

Das pflanzliche Protein erwies sich bei diesen biochemischen Versuchen ähnlich wirksam wie die beiden Medikamente Fuzeon (Wirkstoff Enfuvirtide) und Celsentri (Wirkstoff Maraviroc). Im Tierversuch ist die Substanz aber noch nicht getestet. Auch in der Natur ist es Aufgabe der Lektine, sich an Eindringlinge zu heften, um sie nach Möglichkeit unschädlich zu machen. Am ehesten könnten solche Wirkstoffe in Form eines Mikrobizids eingesetzt werden, heißt es in dem Journal. Diese werden vor dem Sex als Gel in die Vagina gebracht, um HIV unschädlich zu machen ("chemisches Kondom").

Früchte spielten in der Aids-Bekämpfung schon eine unrühmliche Rolle. Die Ex-Gesundheitsministerin Südafrikas, Manto Tshabala-Msimang, hatte vertreten, dass eine gute Ernährung als alternative Behandlung für HIV-Infektionen infrage käme. Dies hatte unter Experten einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. 81 Unterzeichner - darunter Nobelpreisträger und führende Aids-Forscher - hatten der Ministerin 2006 vorgeworfen, sie sei "einfältig, lahm und vernachlässigend" und habe international jeglichen Respekt verwirkt.