Umweltmedizin

Fast 1900 Tote durch Radonbelastung in Räumen

Fast 1900 Menschen sterben pro Jahr in Deutschland, weil sie in Gebäuden das radioaktive Gas Radon einatmen. Zu diesem Ergebnis kommen Erlanger Umweltmediziner nach einer Auswertung weltweiter Studien. Etwa fünf Prozent aller Lungenkrebs-Todesfälle in Deutschland gehen auf das Konto einer erhöhten Radon-Belastung, schreiben die Forscher im "Deutschen Ärzteblatt".

"Radon ist damit nach dem Zigarettenrauchen die zweitwichtigste Ursache für Lungenkrebserkrankungen", betonten die Wissenschaftler. Selbst Asbest und sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe stellten ein geringeres Lungenkrebsrisiko dar. Die Radon-Belastung sollte daher in Innenräumen 100 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft nicht übersteigen, fordern Klaus Schmid und Hans Drexler vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Uni. Untermauert wurden ihre Untersuchungen von Thorsten Kuwert von der Klinischen Nuklearmedizin der Uni.

Radon-Gase gelangten in der Regel aus dem Untergrund in Gebäude und konzentrierten sich dort. Während etwa in der Außenluft Radonwerte zwischen einem und 15 Becquerel pro Kubikmeter gemessen worden seien, liege die Konzentration in Innenräumen bei durchschnittlich 49 Becquerel. In 36 Prozent aller überprüften Gebäude in Deutschland habe die Konzentration der Raumluft höher als 100 Becquerel gelegen, in 18 Prozent der Fälle höher als 200 Becquerel, berichten die Erlanger Umweltmediziner.

Wie stark die Belastung sei, hänge von der geologischen Beschaffenheit des Untergrunds, von der Bauweise und dem Luftaustausch im Gebäude ab. Besonders groß sei die Radon-Belastung im Erzgebirge, gering in der norddeutschen Tiefebene.