Satellit einer neuen Generation

Sonnensonde der Nasa soll das Weltraumwetter besser vorhersagen

Der friedliche Eindruck eines Sonnenuntergangs trügt: Die Sonne ist ein brodelnder Gasball, der die Erde bisweilen mit gigantischen Wolken aus heißem Plasma überschüttet. Solche Sonnenstürme können gravierende Folgen haben. Sie bedrohen Kommunikationssatelliten, Navigationssysteme und manchmal die Stromnetze. Um die schwankende Sonnenaktivität und damit das sogenannte Weltraumwetter besser zu verstehen, startet die Nasa am 9. Februar von Cape Canaveral mit einer Atlas-V-Rakete das "Solar Dynamics Observatory" (SDO) - den ersten Satelliten einer neuen Generation.

Das fliegende Observatorium wird die Sonne rund um die Uhr im Blick behalten. Alle zehn Sekunden macht das SDO eine Aufnahme von der Sonne in acht Wellenlängen, jedes Bild hat 16 Megapixel - das entspricht der Auflösung einer modernen Profikamera. Der Satellit überwacht zudem die ultraviolette (UV) Strahlung und die Magnetfeldschwankungen der Sonne und schaut mit einer Art Ultraschall ins Innere der Sonne. Das alles soll nicht nur unser Wissen über die Sonnenphysik fördern, sondern auch Frühwarnungen vor gefährlichen Sonnenstürmen ermöglichen.

Das SDO produziert eine Datenflut, wie es sie noch nie bei einer Mission der US-Raumfahrtbehörde gegeben hat. Pro Tag funkt die Sonde

1,5 Terabyte zur Erde. Das sind laut Nasa fast 50-mal mehr wissenschaftliche Daten als bei jeder anderen bisherigen Mission. "Es ist, als würde man an jedem Tag 500 000 Songs herunterladen", sagt Dean Pesnell vom Goddard Space Flight Center der Nasa in Maryland.

Wie intensiv wird der nächste Sonnenfleckenzyklus? Lässt sich vorhersagen, wann heftige Sonnenwinde zu einem Bombardement der Erde mit geladenen Teilchen führen? Könnte eine längere Periode der Inaktivität auf der Sonne uns einen verlängerten Winter bescheren? Das sind nur einige Fragen, zu deren Antworten das SDO beitragen soll.

Die Mission ist die erste und der Nasa zufolge das "Kronjuwel" in dem neuen Programm "Living With a Star" (Leben mit einem Stern). Mindestens fünf Jahre soll das beim Start 3100 Kilo schwere Observatorium um die Erde kreisen, auf einer zum Äquator geneigten Bahn, die ihm die ständige Beobachtung der Sonne ermöglicht. Die Forscher erhoffen sich Aufschlüsse über die Entstehung der magnetischen Felder und darüber, wie sich gespeicherte magnetische Energie in Sonnenstürme wandelt.

Um die ehrgeizigen Erwartungen der Forscher zu erfüllen, hat das SDO drei spezialisierte Instrumente an Bord. Ein System von vier Teleskopen soll die Sonnenoberfläche und -atmosphäre fotografieren. Ein UV-Detektor überwacht die ultraviolette Helligkeit der Sonne - langsame UV-Schwankungen beeinflussen Erdatmosphäre und -klima, schnelle Schwankungen können Satelliten- und Funkkommunikation stören. Ein kombinierter seismischer und Magnetfelddetektor zeichnet die solaren Magnetfelder auf und blickt über die Beobachtung von Dichteschwankungen auf der Sonne wie mit einem Ultraschallgerät in deren Inneres.