Forschung

Warum der Pavian-Chef Rivalen in seinen Harem lässt

Gewöhnlich herrschen bei Mantelpavianen despotische Zustände: Das Alpha-Männchen leitet einen Harem und besitzt das alleinige Recht, die Weibchen zu begatten. Um seinen Nachwuchs zu schützen, lässt das Alpha-Männchen gelegentlich aber andere Männchen zum Zug kommen, fanden Forscher heraus.

Diese "Zusatzväter" schützen nämlich bei Angriffen fremder Männchen alle Jungtiere der Gruppe - und erhöhen damit die Überlebenschancen des eigenen und nebenbei auch die des Alpha-Männchen-Nachwuchses. Über die Studie berichtet das Fachblatt "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS").

Peter Henzi von der Universität Lethbridge (Kanada) und sein Team beobachten seit elf Jahren eine Gruppe Mantelpaviane (Papio hamadryas ursinus) im De-Hoop-Naturschutzgebiet in Südafrika. 26-mal kamen ein oder mehrere fremde Männchen in die Gruppe; achtmal gelang es einem Neuankömmling, das Alpha-Männchen zu besiegen und die Führung zu übernehmen. Fünfmal beobachteten die Wissenschaftler Fälle von Kindstötungen bei einer solchen Gruppenübernahme - das neue Männchen will damit Platz für seinen eigenen, noch zu zeugenden Nachwuchs schaffen. Einer der Schwerpunkte des Teams ist die Frage, wie sowohl die Männchen als auch die Weibchen einer Gruppe verhindern, dass es zu solchen tödlichen Attacken kommt.

Bekannt ist, dass starke Männchen ihren Nachwuchs im Falle eines Angriffs beschützen. Wie frühere Untersuchungen zeigen, kümmern sich aber auch die Weibchen aktiv um den Schutz ihres Nachwuchses. Sie pflegen dazu Beziehungen zu anderen Männchen, sodass auch diese als Väter infrage kommen und die Jungtiere verteidigen. Das Alpha-Männchen scheint diese Strategie gezielt zu unterstützen - es nutzt nicht jede fruchtbare Phase der Weibchen und lässt so auch anderen Männchen der Gruppe die Chance zur Begattung.

Der Verzicht geschieht den Forschern zufolge gezielt. Denn je mehr solcher Ersatzväter in der Gruppe sind und je länger sie dort bleiben, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Nachwuchs des Alpha-Männchens einem Angriff schutzlos ausgeliefert ist.