Einflussnahme auf das Wetter

China: Mit Silberjodid gegen die Folgen des Klimawandels

Wetterraketen steigen auf, versprühen Silberjodid, lösen Schneefall aus und besiegen die Dürre. So will die Regierung in Chinas zentraler Provinz Hubei die Folgen des Klimawandels bekämpfen. Die chemisch-technische Einflussnahme auf das Wetter könne helfen, "Klimakatastrophen aktiv zu lindern", heißt es in einem kürzlich verabschiedeten Dokument.

China betreibt eines der ehrgeizigsten Programme zur Korrektur des Wetters. Rund 500 Millionen US-Dollar (350 Mio. Euro) hat Peking in den vergangenen fünf Jahren investiert. Erklärtes Hauptziel ist, Wetterextreme wie Dürren und Hagel abzuwenden. Die Eingriffe durch Mensch und Technik gelten als sehr effizient: Ein eingesetzter Dollar bringe im Schnitt 80 Dollar Wirtschaftsertrag, glaubt man in Hubei.

Den ersten künstlichen Regen hatte der Luftwaffensoldat Zhou Zheng 1958 während der Dürre in der nordöstlichen Provinz Jiliin erzeugt. Aus einem Bomberflugzeug ließ er 200 Kilo Salz in die Wolken rieseln. Die seit Jahrzehnten schlimmste Dürre im Winter 2008/09 hat Peking mit über 1000 Silberjodidstäbchen bekämpft, die per Rakete in den Himmel geschossen wurden und für kräftigen Regen sorgten. China setzt die Technik auch zum Auflösen von Regenwolken vor wichtigen Staatsereignissen ein, etwa zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele im August 2008.

Wie schnell das Wettermachen aber außer Kontrolle geraten kann, haben die heftigen Schneefälle Anfang November gezeigt. Eigentlich wollte das staatliche Amt für Wetterbeeinflussung die anhaltende Dürre im Norden mit künstlichem Regen bekämpfen, berichtete die Zeitung "China Daily". Die Beamten ließen über 100 Raketen mit Silbernitrat in den Himmel schießen. Aber sie unterschätzten eine aus dem Süden heranziehende Kaltfront. So gingen am nächsten Tag rund 16 Millionen Tonnen Schnee auf Peking nieder. Bis zu zehn Zentimeter hoch lagen die weißen Flocken. Es kam zu chaotischen Verkehrsverhältnissen, Flüge mussten verschoben werden, wütende Menschen froren in ihren noch nicht beheizten Wohnungen. Anfang Januar wurde das Chaos allerdings durch extreme natürliche Schneefälle noch übertroffen.

Experten kritisieren vor allem den Einsatz des umweltschädlichen Silberjodids. "Durch das Regenwasser wird das Silberjodid verdünnt, deshalb ist sein Einfluss auf die Umwelt sehr klein", entgegnet das Wetteramt auf seiner Webseite. Silberjodid wird auch zum Entkeimen von Trinkwasser verwendet. Bestimmte Grenzwerte dürfen dabei aber nicht überschritten werden.

Nach Ansicht von Yang Ailun, Klimafachfrau bei Greenpeace China, kann die Manipulation des Wetters zur Abwehr von Klimafolgen durchaus eine Rolle spielen. "Aber am wichtigsten ist, dass auch lokale Regierungen nachhaltige und an die örtlichen Verhältnisse angepasste Strategien entwickeln", sagt Yang. Keinesfalls dürfe künstlicher Regen als Mittel gegen den Klimawandel verkauft werden.