Klimawandel

"Schlimmste Szenarien schon übertroffen"

Auch tief greifende Maßnahmen zum Klimaschutz können den Klimawandel allenfalls bremsen, aber nicht mehr stoppen, warnt das Bremerhavener Alfred-Wegener- Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) im Vorfeld des Klimagipfels. "Selbst wenn wir von heute auf morgen kein CO2 mehr produzieren, wird sich der bisher gemessene Temperaturanstieg auf 1,4 Grad verdoppeln", sagt Prof. Peter Lemke. Seit rund 200 Jahren hat der Mensch als Folge der Industrialisierung durch die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas so viel Kohlendioxid wie nie in die Erdatmosphäre geblasen. In den vergangenen mehreren Millionen Jahren pendelte der CO2-Gehalt in der Luft zwischen 180 und 280 Teilchen pro einer Million Luftmoleküle (ppm): "Derzeit liegt der Gehalt bei 385 ppm." Der Kohlendioxid-Anteil in der Atmosphäre verhindert wie die Glashülle eines Treibhauses, dass die Erde Wärme an das Weltall abstrahlt. Auch bei früheren Wechseln zwischen Kalt- und Warmzeiten stieg der CO2-Gehalt - allerdings nur um rund 100 ppm CO2 und im Verlauf von 20 000 Jahren. "Für diesen Wert hat der Mensch jetzt nur 200 Jahre benötigt", sagt Lemke. "Die Geschwindigkeit kann unser Klimasystem nicht verdauen." Die Befürchtung: Bis zum Jahr 2080 könnte der Nordpol eisfrei sein.