Forschung

Ur-Werkzeugmacher: Nutzte der Mensch das Feuer viel früher?

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Hat der Mensch in Afrika schon vor 72 000 Jahren Feuer zum Werkzeugmachen eingesetzt? Davon ist eine Gruppe um Kyle Brown von der Universität Kapstadt (Südafrika) überzeugt. Bisher wurde angenommen, dass dies erstmals in Europa geschah - und zwar erst vor rund 25 000 Jahren. Die Forscher fanden Klingen, die sich erst aus einem Stein schlagen lassen, nachdem dieser im Feuer erhitzt wurde, heißt es im Journal "Science" (Bd. 325). Der Publikation sei ein "Heureka!"-Moment vorausgegangen, als den Forschern bei Ausgrabungen in der Küstenregion Mossel Bay in der Umgebung von Pinnacle Point der entscheidende Fund gelang. Dort fanden sich nur Steine, aus denen sich auch mit allen Tricks keine scharfen "Flocken" für Klingen schlagen ließen.

Die Steine unterscheiden sich auch in der Farbe von den eher rötlichen Klingen, die unsere Vorfahren einst hinterließen. Schließlich fand sich bei der Grabung ein Aschehaufen mit einem besonders großen, rötlichen Stein - und plötzlich kam die Idee: Die Steine müssen in der Glut erhitzt worden sein, damit sie wie gewünscht splittern, wenn man Klingen aus ihnen herausschlägt.

Genau dies probierten die Forscher, entzündeten ein Feuer und heizten das Material auf rund 350 Grad. Am nächsten Tag zeigte sich der Erfolg in Form eines roten Steins, aus dem sich die gewünschten Stücke fertigen ließen. Das gefundene Objekt schien also in dem Aschehaufen vergessen worden zu sein. Die so gewonnenen Klingen ließen sich als Jagdwaffen, Messer und Tauschobjekte nutzen, schreiben die Wissenschaftler.

"Unsere Entdeckung zeigt, dass die damaligen Menschen ein weitreichendes Erkenntnisvermögen hatten", sagte Brown. Das Alter der von den frühen Menschen gefertigten Klingen wurde mit aufwendiger Technik im Labor bestimmt. Koautor Curtis Marean geht davon aus, dass die frühen Afrikaner die Benutzung von Feuer, Hitze und Steinen beherrschten und damit einen entscheidenden Vorteil hatten, als sie sich ausbreiteten und irgendwann auch in Siedlungsgegenden von Neandertalern vordrangen. Letztere sind vor rund 30 000 Jahren ausgestorben.