Weltgrößtes Teleskop eingeweiht

Grantecan geht auf Galaxien-Jagd

Mit dem weltweit größten Spiegelteleskop auf der Kanaren-Insel La Palma könnte man auf dem Mond einen Teller Linsen erkennen.

Madrid/Mainz. Galileo Galilei benutzte noch ein schlichtes Fernrohr. Jetzt, 400 Jahre später, schauen Astronomen mit dem weltgrößten Spiegelteleskop ins All, das heute auf der Kanaren-Insel La Palma offiziell in Betrieb ging. Das Herzstück des Gran Telescopio Canarias (Grantecan) ist ein Spiegel mit 10,4 Meter Durchmesser. Er besteht aus 36 Segmenten, wiegt rund 18 Tonnen und wurde vom Mainzer Technologiekonzern Schott gefertigt. Seine „Sehkraft“ entspricht vier Millionen menschlichen Pupillen und ist so präzise, dass es auf dem Mond noch einen Teller mit Linsen erkennen würde.

Die Bauarbeiten zu der rund 130 Millionen Euro teuren Anlage dauerten zehn Jahre. Die Sternwarte, die in einer feierlichen Zeremonie von König Juan Carlos eröffnet wird, steht in 2400 Metern Höhe auf dem Roque de los Muchachos, dem höchsten Gipfel der kleinen Kanaren-Insel. Das 45 Meter hohe Teleskop ist insgesamt rund 400 Tonnen schwer und lässt sich dennoch mühelos mit der Hand bewegen, da es auf einer dünnen Ölschicht „schwimmt“. Mit einer nutzbaren Fläche von knapp 82 Quadratmetern ist der segmentierte Spiegel des Grantecan rund sechs Quadratmeter größer als die anderer Riesenteleskope – ein erheblicher Gewinn an „Sehschärfe“ für die Astronomen.

Für glasklare Abbildungen soll unter anderem eine adaptative Optik sorgen. Sie gleicht 200 Mal pro Sekunde die Verzerrungen des Lichts auf seinem Weg durch die Atmosphäre aus. Die Wirkung lässt sich mit einer Münze, die in ein Schwimmbecken geworfen wird, veranschaulichen: Solange sich das Wasser bewegt, ist sie kaum zu erkennen, wird aber gleich sichtbar, wenn das Wasser stillsteht.

Mit dem Grantecan (GTC) wollen die Wissenschaftler in bislang unerreichte Tiefen des Universums vorstoßen, fast bis zum Urknall vor rund 14 Milliarden Jahren. „Wir wollen sehr weit entfernte Galaxien und Planeten beobachten und die Entstehung der ersten Sterne studieren“, sagte Chefastronom René Rutten (50). Eine weitere Herausforderung wird die Beobachtung von Planeten jenseits unseres Sonnensystems sein, den so genannten Exoplaneten.

Der klare Himmel über La Palma - geschützt durch ein Gesetz, das fremde Lichtquellen verbietet - und ein in der Regel gleichmäßig wehender Wind erleichtern die Arbeit der Sterngucker. Das machen sich auch andere Forscher zunutze: Neben dem Grantecan, der unter Astronomen jetzt schon als bestes Instrument zur Erforschung des Himmels auf der Nordhalbkugel gilt, betreiben auf dem Gelände das IAC und andere Forschungszentren bereits mehrere Sternwarten. Finanziert wurde das Grantecan größtenteils von der spanischen und der kanarischen Regierung. Beteiligt sind zudem Universitäten aus Mexiko und USA.

Weitere Riesenfernrohre gibt es bislang etwa auf dem Gipfel des erloschenen Vulkans Mauna Kea auf Hawaii (Keck I und Keck II), auf dem Mount Graham in Arizona (LBT) oder auf dem Cerro Paranal in Chile, wo die Europäische Südsternwarte (ESO) das Very Large Telescope (VLT) betreibt.