Pillen zum Schutz vor Diabetes

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Cornelia Werner

Zuckerkrankheit: Hamburger Spezialisten wollen untersuchen, wie man mit Medikamenten dem Diabetes Typ 2 vorbeugen kann.

Körperliche Bewegung und fettarme Ernährung können einer Erkrankung an Diabetes Typ 2 vorbeugen. Zu diesem Ergebnis kommen drei Studien des vergangenen Jahres. In einer weiteren Studie wollen jetzt Diabetes-Spezialisten des Hamburger Krankenhauses Bethanien die vorbeugende Wirkung bestimmter Medikamente testen. Beim Diabetes Typ 2, auch bekannt als Altersdiabetes, ist die Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse vermindert, und es kommt schleichend zu einem Insulinmangel. Bemerkbar macht sich die Krankheit durch großen Durst, vermehrtes Wasserlassen und Müdigkeit. Derzeit sind etwa sechs Prozent der Bevölkerung von dieser Form der Zuckerkrankheit betroffen, doch die Zahl der Neuerkrankungen nimmt stark zu. "Die Häufigkeit dieser Krankheit verdoppelt sich alle 15 bis 25 Jahre", betont Prof. Manfred Dreyer, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses Bethanien. Umso wichtiger wird die Prävention: "Nach diesen drei Studien wissen wir jetzt, dass sich der Typ-2-Diabetes bei Menschen mit hohem Diabetesrisiko durch ein Bewegungs- und Ernährungsprogramm in der Hälfte der Fälle wesentlich hinauszögern oder gar ganz vermeiden lässt." Als Risikofaktoren gelten bereits grenzwertig erhöhte Blutzuckerwerte, Erkrankung eines Familienangehörigen, sprich Eltern oder Geschwister, an einem Diabetes Typ 2 und vor allem Bewegungsmangel und Übergewicht. Zudem steigt das Risiko mit zunehmendem Alter stark an. "Teilweise wurde in den genannten Studien auch die vorbeugende Wirkung von bestimmten Medikamenten untersucht, die allerdings nur halb so groß war wie die einer Lebensstiländerung ", so Dreyer. Doch nicht alle Risikopatienten sind dazu in der Lage, zum Beispiel Menschen, die durch andere Erkrankungen wie eine Arthrose stark in ihren Be wegungsmöglichkeiten eingeschränkt sind oder bei denen eine fettarme Ernährung zu keiner weiteren Gewichtsabnahme führt. Diesen Patienten könnte dann ein Medikament helfen. Das ist auch der Ansatzpunkt der Studie im Krankenhaus Bethanien, für die noch Teilnehmer gesucht werden. "Dabei wollen wir dreieinhalb bis vier Jahre lang zwei Medikamente in ihrer Wirksamkeit zur Diabetes-Prävention miteinander vergleichen. Das eine ist ein Mittel gegen Diabetes, das andere eins zur Behandlung des Bluthochdrucks, dessen vorbeugende Wirkung gegen Diabetes bereits in einer anderen Studie beobachtet wurde", erklärt Dreyer. Dafür erhält eine Gruppe der Studienteilnehmer das Hochdruckmittel, eine weitere das Diabetesmedikament und eine dritte keine Medikamente. Wenn sich herausstellt, dass das Hochdruckmittel für die Prävention geeignet ist, würde man bei Risikopatienten mit Bluthochdruck dieses Medikament zur Therapie des Bluthochdrucks bevorzugen. Wenn das Diabetes-Medikament auch einen hohen Effekt hat, würde man dieses wesentlich früher einsetzen, bevor der Diabetes aufgetreten ist ", so Dreyer weiter. Wer an der Studie teilnehmen will, muss älter als 45 Jahre alt sein und eine gestörte Glucosetoleranz haben. Das ist ein Vorstadium des Diabetes und kann durch eine einfache Untersuchung festgestellt werden. Patienten trinken 75 Gramm Traubenzucker aufgelöst in Wasser, zwei Stunden später wird der Blutzuckerwert gemessen. Daran lässt sich ablesen, ob die Glucosetoleranz gestört ist oder bereits Diabetes vorliegt. Diesen Glucosetoleranztest können Interessenten beim Hausarzt oder im Krankenhaus Bethanien durchführen lassen. Während der Laufzeit der Studie müssen die Teilnehmer einmal im halben Jahr zu Blutuntersuchungen und Gewichtskontrollen ins Krankenhaus Bethanien kommen. Interessenten melden sich bitte unter 040/46 85 55 52 in der Zeit vom 23. bis 26.Juli, 9 bis 16 Uhr.

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