Europas größtes Sonnenteleskop geht in Betrieb

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Deutsche Forscher wollen mit dem Riesenfernrohr den Stern genau untersuchen

Freiburg/Teneriffa. Der Freiburger Forscher Reiner Volkmer und seine Kollegen erforschen schon seit vielen Jahren die Sonne. Um einen besseren Blick auf den brennenden Stern am Himmel zu bekommen, setzen sie nun auf Gregor, das größte Sonnenteleskop Europas. Es geht heute auf Spaniens höchstem Berg, dem Teide auf Teneriffa, in Betrieb. Es erforscht vor allem die Wirkung der Sonne auf die Erde. "Die Sonne ist der Prototyp aller Sterne. Wenn wir die Sonne verstehen, verstehen wir auch andere Sterne", sagt Projektleiter Volkmer, Das Problem: Mit herkömmlichen Fernrohren konnten die Forscher die Sonne zwar beobachten. Bis zu ihrem Kern vordringen, konnten sie aber nicht. Denn die Spiegel der Teleskope erwärmten sich, bei grellem Licht versagten sie. Zudem wurde die Sicht zur Sonne durch aufsteigende warme Luft behindert.

Dies soll sich nun ändern. Das Megafernrohr mit seinem 1,5 Meter großen Hauptspiegel, das in 2400 Meter Höhe am Berg Teide und völlig frei auf dem Dach eines knapp 20 Meter hohen Gebäudes steht, soll Aufnahmen der Sonne mit bislang unerreichter Qualität und Auflösung möglich machen. Dies ist möglich, weil das aus dem glaskeramischen Stoff Zerodur bestehende Teleskop ständig gekühlt wird und die Meereswinde der Kanareninsel Teneriffa dafür sorgen, dass störende Luftschichten weggeblasen werden.

Das Superteleskop kann nicht nur bei gleißendem Sonnenlicht eingesetzt werden, sondern auch nachts nach "Sonnen-Zwillingen" im Universum suchen. Und es zeigt die Sonne in bislang unbekannter Nähe und Schärfe. Mithilfe Gregors könnten Forscher künftig kleinräumige, physikalische Prozesse auf der Sonne untersuchen, die sich bis hinab in 70 Kilometer Tiefe abspielen. Das Interesse der Forscher gilt vor allem den Magnetfeldern der Sonne. Sie sind dafür verantwortlich, wie die Sonne aufgebaut ist und wie sie sich verändert, beispielsweise durch Eruptionen.

"Es gibt viele Bereiche, die noch nicht erforscht sind und auf deren Fragen wir uns nun Antworten erhoffen", sagt Volkmer. Zum Beispiel die Frage der Erwärmung. "Die äußeren Schichten sind deutlich heißer als der Kern der Sonne", sagt Volkmer. "Normalerweise ist es ja umgekehrt." Zudem sei noch immer unklar, nach welchen Mechanismen die Sonne sich verändere.

Mehr als zehn Millionen Euro sind in das Projekt Gregor investiert worden. Die Federführung hat das Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik in Freiburg. Mit im Boot sind unter anderem auch das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam, das Institut für Astrophysik Göttingen sowie das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg/Lindau.

( (dpa) )