Weltnichtrauchertag

Schocktherapie gegen das Rauchen

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Das Präventionsprogramm richtet sich an Jugendliche. Bei ihnen nimmt bundesweit Raucherquote ab

Hamburg. Tim und Daniel wussten, dass Zigaretten schädlich sind. Dass man vom Rauchen Krebs bekommen kann, auch. Aber so drastisch wie heute sind ihnen die Auswirkungen des giftigen Qualms noch nie bewusst geworden. Nach zwei Stunden mit schockierenden Bildern, erschütternden Zahlen und dem Gespräch mit einer früheren Krebskranken sind sich die beiden 13-Jährigen sicher: "Wir fangen ganz bestimmt nicht an zu rauchen."

"Nichtrauchen ist cool" heißt das Projekt, das Krebsärztin Birte Andritzky und ihre Kollegen vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) vor fast sechs Jahren ins Leben gerufen haben. Nicht nur zum heutigen Weltnichtrauchertag warnen sie vor den Gefahren des Tabakqualms, an dem laut Weltgesundheitsorganisation WHO in diesem Jahr weltweit mehr als fünf Millionen Menschen sterben werden. Hinzu kommen mehr als 600 000 Menschen, darunter etwa ein Viertel Kinder, die das Passivrauchen tötet.

Mindestens 250 Schadstoffe finden sich im Zigarettenrauch, mehr als 50 davon können Krebs verursachen. Am UKE werden jede Woche rund 230 Schüler mit solchen Fakten konfrontiert. "Nicht mehr der Raucher ist der coole Typ, sondern der, der Nein sagen kann", sagt Mitbegründer Eckart Laack. Ausschlaggebend für das Projekt war die steigende Zahl von jungen Lungenkrebspatienten. Laack: "Das können auch Ärzte kaum ertragen."

Besonders das Gespräch mit der Krebspatientin Brigitte Drabinski hat die jungen Zuhörer beeindruckt. Dreimal hat sie Lungenkrebs bekommen, dreimal den Kampf gegen den Krebs gewonnen. "Das Gefühl nach der Diagnose kann man nicht beschreiben, es war einfach schrecklich", sagt die 68-Jährige mit leiser Stimme. Sie hatte mit ihrem Leben abgeschlossen, sich von allem verabschiedet, was ihr lieb war. Drabinski hat überlebt, aber jeden Tag sterben in Deutschland rund 400 Menschen an den Folgen des Rauchens.

Die Kinder sind interessiert, sie fragen nach. Nach der Veranstaltung kommt ein Junge zu Brigitte Drabinski und sagt mit ernstem Blick: "Sie sind die tapferste Frau, die ich kenne." Ihre Geschichte hat die Kinder nachdenklich gemacht; mit 17 Jahren hatte sie angefangen zu rauchen.

Jugendliche Raucher in Hamburg greiffen im Durchschnitt mit 13 Jahren erstmals zur Zigarette. Andritzky und ihre Kollegen wollen etwas tun, bevor es zu spät ist. "Mit elf oder zwölf Jahren haben die Kinder eher noch keinen Kontakt mit Zigaretten gehabt", sagt sie. Immerhin gibt es nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Deutschland einen Trend zum Guten: Bei Jugendlichen zwischen zwölf bis 17 Jahren habe sich die Raucherquote seit 2001 mehr als halbiert. Nur noch 13 Prozent rauchten heute - so wenig wie nie zuvor.