Forschung

Neugeborene lernen auch, während sie schlafen

Das Gehirn von Babys läuft gleich nach der Geburt auf Hochtouren

Bereits direkt nach der Geburt läuft das Gehirn von Neugeborenen schon auf Hochtouren: Selbst im Schlaf lernen die Säuglinge neue Sachverhalte. Das ergab eine Studie von US-amerikanischen Wissenschaftlern. Diese Fähigkeit der Kleinen sei eine wichtige Voraussetzung dafür, um sich schnell an das Leben außerhalb des Mutterleibs anzupassen, meinen die Forscher um Wiliam Fifer von der Columbia University in New York (US-Staat New York). Die Ergebnisse ihrer Untersuchung sind in der Fachzeitschrift "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften nachzulesen.

Das Team hatte ein bis zwei Tage alten Säuglingen im Schlaf einen Ton vorgespielt und ihnen kurz darauf einen kurzen Luftstoß auf ein Augenlid geblasen. Dieses löste bei den Babys ein Zwinkern aus. Nach einiger Zeit zwinkerten die Babys schon beim Hören des Tons - sie hatten bereits gelernt, dass auf das Geräusch ein Luftstoß folgt, also einen Zusammenhang zwischen diesen zwei unterschiedlichen Ereignissen hergestellt.

Babys einer Kontrollgruppe hingegen, die völlig wahllos den Ton und einen Luftstoß verpasst bekamen, reagierten nicht mit einem vorzeitigen Zwinkern. Hirnstrommessungen zeigten darüber hinaus, dass die Babys der Versuchsgruppe das neu Gelernte gegen Ende des Trainings im Gedächtnis verfestigten, berichten die Wissenschaftler weiter.

Da Neugeborene die meiste Zeit schliefen, sei die Fähigkeit, im Schlaf zu lernen, essenziell für die Anpassung an die neuen Lebensumstände, betonen die Wissenschaftler - und sichere womöglich sogar ihr Überleben.

So müssten Neugeborene zum Beispiel lernen, sich schnell aus der Bauchlage zu befreien, wenn es zu einer für sie bedrohlichen Situation kommt. Liegen sie beispielsweise mit dem Kopf nach unten und bekommen nicht genug Luft, müssten sie einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Tatsachen herstellen, um ihren Kopf dann zur Seite drehen zu können.

Erwachsene sind nach der derzeitigen Meinung von Experten nicht mehr dazu in der Lage, im Schlaf noch Neues zu lernen. Bei Säuglingen sei dies vielleicht nur deshalb möglich, da ihre Schlafmuster noch recht chaotisch seien und sich erst innerhalb der ersten zwei Lebensjahre ordneten. Möglicherweise nehme die Fähigkeit, im Schlaf zu lernen, ab, je geregelter die Schlafperioden im Verlauf der Entwicklung werden.