50 Prozent der Austern haben Winter nicht überstanden

Miesmuscheln sind die Gewinner des strengen Winters

Wattwanderer sollten auf die scharfkantigen Schalen achten, die großflächig verteilt sind

Die Miesmuschel wird seit mehr als zehn Jahren von der ursprünglich für die Zucht eingeführten Pazifischen Auster verdrängt, berichtet Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer in Rendsburg. Doch jetzt gehört die Miesmuschel zu den Gewinnern des strengen Winters. Der Biologe schätzt, dass bis zu 50 Prozent der aus der Zucht verwilderten Pazifischen Austern den Winter nicht überstanden haben, und hofft, dass sich die Miesmuscheln auf die freien Plätze setzen. Ein Problem für Wattwanderer könnte aber die großflächige Verteilung der Tiere durch den Eisgang sein. "Jetzt liegen die scharfkantigen Schalen noch weiter verteilt im Watt als bisher. Das gibt im Sommer böse Schnittwunden an den Füßen."

Erste Jungmuschel-Funde stimmen den Biologen positiv. Er berichtet von besonders vielen jungen Miesmuscheln auf dem Kniepsand vor Amrum: "Aus den winzigen Larven sind kleine Muscheln geworden", sagt der Naturschützer. "Alle Wattenmeer-Forscher an der Küste sind gespannt, wie sich die Miesmuscheln in den nächsten Monaten entwickeln werden." Neben der normalen Wintersterblichkeit - beispielsweise bei den Schwertmuscheln oder Strandkrabben, sei aber auch geschätzt "ein Drittel der Herzmuscheln erfroren", ergänzt Borcherding: "Das war ein Festmahl für die heimischen Vögel." Doch für die Zugvögel bleiben nur verdorbene Reste übrig. Damit gebe es im Wattenmeer in diesem Jahr nicht so viel Futter wie sonst. Klaus Günter, Vogelexperte der Schutzstation Wattenmeer, sieht darin kein großes Problem. Die Zugvögel können auf andere Nahrung ausweichen.

Der Ornithologe sieht Parallelen zum Winter 1995/96. "In den Statistiken hatten wir damals bei jeder Art starke Einbrüche." Messbar seien die Veränderungen im Ökosystem Wattenmeer aber frühestens im Herbst. In Vogelzählungen und Wattkartierungen sammelt die Schutzstation Wattenmeer ganzjährig mit ihren Zivildienstleistenden Daten und wertet diese aus.