Möwen brüten zwischen Frankfurts Bankentürmen

Wundersame Paarung von Mittelmeer- und Nordseearten

Sie brüten auf dem Flachdach der Post, eine Mantelmöwe und eine Mittelmeermöwe. Ingo Rössler, ein Hobby-Ornithologe, der als Zimmermann viel auf den Dächern von Frankfurt beschäftigt ist, hat das ungleiche Paar entdeckt - vom benachbarten Dach der Commerzbank aus. Der Großstadtlärm scheint die Vögel nicht zu stören. Der Main ist einen knappen Kilometer entfernt. Nur von der Silvesterknallerei hätten sich die Möwen eine Zeit lang vertreiben lassen, sagt Rösler.

Experten der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen wollten ihren Ohren nicht trauen, als Rösler ihnen von dem Brutplatz berichtete: "Die Verwunderung war riesengroß." Nicht nur das ungleiche Brutpaar hat es in die Bankenmetropole verschlagen. "Bis zu 65 Vögel verbringen hier die Nacht zusammen", sagt Rösler. Dazu zählen neben den Jungtieren 16 Großmöwenpaare, die hier brüten.

Im Binnenland, Hunderte Kilometer vom nächsten Meeresstrand entfernt, leben Mittelmeer-, Mantel- und Heringsmöwen einträchtig nebeneinander. Im Winter kommen die Küstenvögel regelmäßig auch bis nach Hessen an Rhein und Main, aber Brutplätze mitten in der Stadt waren bisher noch unbekannt.

Seit Jahren dringen Mittelmeermöwen aus ihrer südlichen Heimat immer weiter nach Norden vor. Nun ist eine von ihnen auf eine Mantelmöwe aus dem Norden gestoßen, und beide sorgen gemeinsam für Nachwuchs. Der allerdings wird wohl lebens-, aber nicht fortpflanzungsfähig sein. Arthybriden sind meist steril.

( (dpa) )