Paul Nevermann - Prägende Persönlichkeit

Paul Nevermann, geb. am 5. Februar 1902 in Klein Flottbek, gest. am 22. März 1979 in Puerta de la Cruz auf Teneriffa, war als Senator, Oppositionsführer, Erster Bürgermeister und SPD-Landesvorsitzender eine prägende Persönlichkeit der Hamburger Nachkriegsgeschichte. Sohn eines Brauereiarbeiters, wurde er nach dem Besuch der Volksschule Schlosser, trat 1920 der SPD bei, absolvierte von 1923-26 den ersten Hamburger Abiturientenkursus, studierte Jura und wurde 1930 promoviert. Nach dem 20. Juli 1944 verhaftet, beteiligte er sich 1945 sofort am Wiederaufbau der Partei und der Stadt. Als Bausenator errang er große Popularität wegen seines volkstümlichen Wesens und seiner Erfolge im Wohnungsbau (17. November 1960: Richtfest für die 300 000. Neubauwohnung). Am 1. Januar 1961 wurde Nevermann Nachfolger von Max Brauer als Erster Bürgermeister und führte die SPD im selben Jahr zu einem heute kaum vorstellbaren 57,4-Prozent-Sieg bei der Bürgerschaftswahl. Der Staatsbesuch der britischen Königin Elizabeth II. brachte 1965 das Ende seiner Amtszeit, als seine Frau Grete (1907-73) sich weigerte, an seiner Seite aufzutreten und damit eine außereheliche Beziehung des Bürgermeisters öffentlich machte. Nevermann fühlte sich von der Presse verfolgt und vom SPD-Landesvorstand "ehrpusselig" bedrängt, so dass er am 9. Juni 1965 zurücktrat. Er gewann 1966 eine Kampfabstimmung gegen Helmut Schmidt um den SPD-Landesvorsitz und wurde 1967 Präsident des Deutschen Mieterbundes , ein Amt, das seit 1995 auch seine Tochter, die Ex-Bundesministerin und Bundestagsvizepräsidentin Anke Fuchs (SPD, geb. 1937), innehat.

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