Hafenstraße - Mietfrei am Hafenrand

Ganz frisch Hinzugezogenen sei gesagt, dass sich mit dem Begriff Hafenstraße weit mehr verbindet als nur die topographische Bezeichnung St. Pauli Hafenstraße , die einst zu den besseren Adressen der Hansestadt gehörte. "Die jüngere Geschichte dieser Gründerzeit-Immobilien ist die Geschichte einer tiefen Ratlosigkeit der Politik gegenüber ein paar Dutzend Chaoten und deren Sympathisanten", schreibt Kurt Grobecker in seinem Buch "Hamburg skandalös". In dieser Stadt müsse man nur unter Gewaltandrohung das Recht verletzen, und schon werde Unrecht legalisiert. In einige heruntergekommene Gebäude der Hafenstraße und Bernhard-Nocht-Straße sickerten ab 1981 Hausbesetzer ein. Es wurde geräumt, wieder besetzt, befestigt, gekämpft, demonstriert, und die Häuser bekamen eine revolutionäre Bemalung. Am 19. November 1987 drohte ein bürgerkriegsähnlicher Barrikadenkampf, als der Erste Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) im letzten Moment ein Kompromissangebot unterbreitete. Dohnanyi trat 1988 zurück. 1995 wurden die Häuser zu einem "politischen Preis" auf eine alternative Genossenschaft übertragen. (mj)