Minister bittet Bevölkerung um Geduld

Engpässe bei Versorgung mit Schweinegrippe-Impfstoff

Der Impfstoff gegen die Schweinegrippe ist knapp geworden. In einigen Bundesländern müssen Ärzte schon Wartelisten anlegen.

Der Schweinegrippe-Impfstoff Pandemrix wird bereits knapp. Deswegen müssen Ärzte zum Beispiel in Baden-Württemberg bereits Wartelisten anlegen. Die Bundesländer hätten erst die Hälfte der Impfstoff-Mengen geliefert bekommen, die sie erwarteten, sagte der Abteilungsleiter im thüringischen Gesundheitsministerium, Heinz Fracke, am Dienstag. Thüringen hat den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz, die am (morgigen) Mittwoch mit Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler in Berlin über Probleme bei den Impfaktionen sprechen will.

Rösler sagte im ARD-Morgenmagazin: „Selbst bei einer optimalen Produktion kann es immer einmal wieder zu regionalen Schwierigkeiten kommen. Deswegen bitte ich da um Geduld. Die Industrie gibt sich Mühe, und die Länder sind stark vor Ort. Da bin ich guter Dinge, dass wir diesen Schutz sicherstellen können.“

Nach Angaben der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwochausgabe) hingegen wird der Impfstoff beispielweise nur für jede dritte Schwangere in Deutschland ausreichen. Das folge aus den Plänen von Bund und Ländern zur Bestellung des speziellen Impfstoffs gegen den Erreger der „Neuen Grippe“. Im Gespräch ist demnach bei den Gesundheitsbehörden die Bestellung von 150.000 bis 200.000 Impfdosen speziell für schwangere Frauen. Gemessen an den im vergangenen Jahr in Deutschland lebend geborenen 683.000 Kindern könne somit allenfalls jede dritte Schwangere mit einer Impfung rechnen, schreibt die F.A.Z. Schwangere sollen nach einer Empfehlung des Robert Koch-Instituts nicht mit den herkömmlichen Impfstoffen behandelt werden, die Konservierungsstoffe und reaktionsverstärkende Zusätze (Adjuvantien) enthalten. Über die Unterversorgung mit Impfstoffen will Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) an diesem Mittwoch mit seinen Amtskollegen aus den Ländern auf einem „Impf-Gipfel“ reden.

Die Bundesländer hatten im Juli entschieden, 50 Millionen Dosen Pandemrix beim Pharma-Unternehmen GlaxoSmithKline zu kaufen. Die Auslieferung läuft seit dem 19. Oktober und ist bis Ende Januar vereinbart. Die Bundesländer haben sich vertraglich einen festen Prozentsatz der Wochenproduktion gesichert. Von den vereinbarten Mengen habe der Hersteller erst 50 Prozent geliefert, hieß es.

Dagegen betonte der Sprecher von GlaxoSmithKline, Markus Hardenbicker, die verbindlichen Zusagen seien eingehalten worden. Demnach würden die Länder jeweils eine Woche im Voraus über den Umfang der Liefermenge informiert. Im Juli habe es nur eine unverbindliche Aussage gegeben. Ende November, Anfang Dezember könne die Liefermenge deutlich erhöht werden.

In Bayern ist der Impfstoff laut Kassenärztlicher Vereinigung noch nicht überall angekommen. „Aber langsam wird es besser“, hieß es. Auch der Sprecher des Bayerischen Apothekerverbandes, Thomas Metz, sagte, die Nachfrage habe sprunghaft zugenommen. „Es ist, als ob ein Hebel umgelegt wurde.“ Derzeit werde in Bayern mehr Schweinegrippe-Impfstoff nachgefragt als ausgeliefert. In Erlangen wurde die Franconian International School für diese Woche geschlossen. Nach Angaben des Gesundheitsamtsleiters Peter Lederer sind in der Privatschule etwa 50 Prozent der knapp 500 Schüler an der Schweinegrippe erkrankt.

In Baden-Württemberg impfen die niedergelassenen Ärzte, im Großraum Stuttgart warten manche Ärzte schon seit zwei Wochen auf Lieferung von Impfstoff und führen Wartelisten. Rheinland-Pfalz hat nach Angaben des Sozialministeriums bislang deutlich weniger Impfstoff erhalten als vom Hersteller GSK angekündigt. Bislang seien 200.000 Impfdosen geliefert worden; 600.000 seien erwartet worden. Die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit erklärte am Dienstag, viele Arztpraxen hätten den Impfstoff noch nicht erhalten haben, weil es Staus wegen der Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls gegeben habe.

In Niedersachsen sind die 378 Verteiler-Apotheken nicht ausreichend beliefert worden, wie das zuständige Ministerium mitteilte. Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann erwartet vom Impfgipfel in Berlin „ein deutliches gemeinsames Signal von Bund und Ländern“ in Richtung Impfstoff-Hersteller.

Unterdessen hat die Bundeswehr mit der Schweinegrippe-Impfung ihrer Soldaten in Afghanistan begonnen. An den Standorten Feysabad, Masar-i-Sharif und Kundus seien am Wochenende große Teile der Truppe geimpft worden, erklärte der Sanitätsdienst in München. Eingesetzt wird der Impfstoff Celvapan des Pharma-Unternehmens Baxter, der keine Wirkverstärker enthält.