Apple-Zulieferer

Krisenmanagement? Foxconn erhöht Mitarbeiter-Löhne

Der Apple-Zulieferer stand wegen schlechter Arbeitsbedingungen und einer Serie von Mitarbeiter-Selbsttötungen zuvor in die Kritik.

Taipeh. In der Kontroverse um Niedriglöhne und harsche Arbeitsbedingungen gerät der taiwanische Apple-Zulieferer Foxconn immer stärker in die Defensive. Der weltgrößte Elektronikhersteller beteuerte am Dienstag, mit seinen jüngsten Lohnerhöhungen keineswegs Einfluss auf die laufenden Ermittlungen in seinen Fabriken in China nehmen zu wollen. Chinesische Arbeitsrechtler in Peking reagierten aber ungläubig. Sie sahen in der Anhebung der Grundlöhne für die 1,2 Millionen Mitarbeiter in China den Versuch einer Schadensbegrenzung.

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Das Unternehmen produziert in China unter anderen für große Computerhersteller wie Apple, Dell, Hewlett-Packard, IBM, Toshiba oder Sony. Kritiker monieren bei Foxconn schlechte Arbeitsbedingungen. Mitarbeiter müssten bei niedrigen Löhnen ständig Überstunden leisten. Außerdem war der Konzern wegen Unfällen und einer Serie von Selbstmorden von Mitarbeitern zunehmend in die Kritik geraten – und damit auch sein großer Auftraggeber Apple. Foxconn-Sprecher Simon Hsing sagte der Nachrichtenagentur dpa in Taipeh, die Anhebung des Grundlohns mit Wirkung zum 1. Februar sei bereits vor den Ermittlungen beschlossen worden. „Wir hatten bis Samstag keine Chance, die Ankündigung zu machen, weil wir so beschäftigt waren mit den Ermittlungen in die Arbeitsbedingungen.“ Die höheren Lohnkosten würden nicht auf die Preise aufgeschlagen.

„Frühere Gehaltserhöhungen von Foxconn waren immer eine Reaktion auf solche Krisen“, sagte allerdings der Pekinger Anwalt Huang Leping der dpa. Es bleibe auch abzuwarten, um wieviel die Bezüge am Ende wirklich stiegen. Wegen der ständigen Lohnsteigerungen auf dem chinesischen Arbeitsmarkt werde es Foxconn aber jetzt leichter fallen, neue Mitarbeiter anzuwerben, sagte der Arbeitsexperte. „Ich denke, es hat direkt mit den Ermittlungen zu tun“, sagte auch der Arbeitsrechtler Shen Binti. Da es nur eine Erhöhung der Grundlöhne sei, müsse sich zeigen, wie sich die Jahresgehälter insgesamt entwickelten. „Es ist aber ein gutes Zeichen – egal ob es auf Druck geschah oder sonst notwendig wurde.“

Die schon seit fast zwei Jahren laufende Kontroverse um Foxconn hatte Ende Januar einen neuen Höhepunkt erreicht, als ehemalige Apple-Manager in einem Artikel der „New York Times“ andeuteten, der kalifornische Computerkonzern habe Missstände stillschweigend geduldet. Der neue Apple-Chef Tim Cook beauftragte als Reaktion die Organisation Fair Labor Association (FLA), eine unabhängige Untersuchung in den sonst für Außenstehende unzugänglichen Fabriken von Foxconn aufzunehmen. Ein Bericht soll im März vorgelegt werden. Der Pekinger Arbeitsrechtler Huang Leping äußerte sich aber skeptisch über die Glaubwürdigkeit der zu erwartenden Ergebnisse. Die Untersuchung sei nur eine geführte Tour durch die Fabriken, die auch nur wenige Wochen dauere, bemängelte der Anwalt.

(dpa)

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