Herzschrittmacher

Teil 5: Nur 45 Minuten bis zum neuen Takt

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Cornelia Werner

So lange dauert der Eingriff. Der normale Schrittmacher wird bei örtlicher Betäubung eingesetzt. Einmal in Betrieb, spürt der Patient nichts.

Das Herz ist der Motor unseres Körpers - in einem regelmäßigen Rhythmus pumpt es das Blut in die Körperarterien und hält so den Kreislauf aufrecht. Bei einem gesunden Menschen schlägt das Herz in Ruhe etwa 60- bis 80-mal in der Minute. Ist die Frequenz zu langsam oder setzt das Herz manchmal sogar für einige Schläge aus, kann das zu Schwindel, Bewusstlosigkeit oder Herzschwäche führen. "Früher war ein zu langsamer Herzschlag mit solchen Symptomen der einzige Grund dafür, dass ein Patient einen Herzschrittmacher erhielt", sagt Prof. Stephan Willems, stellvertretender Direktor der Klinik für Angiologie und Kardiologie im Universitären Herzzentrum am UKE.

Diese kleinen Geräte, die dem Patienten unter die Haut des Brustkorbes eingesetzt werden, haben über Elektroden Verbindung mit dem Herzen. So können sie Aussetzer und einen zu langsamen Herzschlag erkennen und über Abgabe von elektrischen Impulsen das Herz wieder in den richtigen Takt bringen.

Die einfachste Variante, ein Herzschrittmacher mit einer Sonde, der in die rechte Herzkammer führt, wird heute nur noch selten angewandt. "Bei Patienten, die einen zu langsamen Herzschlag haben, setzen wir vorwiegend Zweikammersysteme ein, bei denen eine weitere Sonde den rechten Vorhof stimuliert", erklärt Willems.

Das Einsetzen eines normalen Herzschrittmachers dauert circa 45 Minuten und wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Der Eingriff wird sowohl ambulant als auch stationär vorgenommen. Die Batterie muss nach zwölf bis vierzehn Jahren ausgewechselt werden. Hat das Gerät seinen Betrieb aufgenommen, spürt der Patient davon nichts. Auch vor Störungen durch Handys müssen sich die Patienten nicht fürchten. "Sie können nur auftreten, wenn das Handy direkt auf den Schrittmacher gehalten wird."

Heute gibt es moderne Herzschrittmacher, die auch bei anderen Rhythmusstörungen zum Einsatz kommen. So werden sie eingesetzt, um wieder eine geordnete Kontraktion des Herzens herzustellen, wenn bei einer Herzschwäche linke und rechte Herzkammer nicht im gleichen Takt schlagen. "Dann verwenden wir Dreikammersysteme. Vom Schrittmacher führen drei Sonden ins Herz: zum rechten Herzvorhof, zur rechten und zur linken Herzkammer", so Willems.

Eine weitere Variante ist der Defibrillator. "Diese ICDs sind die Alleskönner unter den Herzschrittmachern. Sie können den zu langsamen Herzschlag unterstützen, Herzrasen aus Vorhof und Kammer erkennen und wieder in den normalen Rhythmus bringen oder lebensgefährliche Rhythmusstörungen durch Elektroschock beenden", so Willems.Defibrillatoren werden dem Patienten unter Voll- oder Kurznarkose eingesetzt, und der Patient muss ein bis zwei Tage im Krankenhaus bleiben. Die Batterie muss nach vier bis fünf Jahren gewechselt werden.

"Bei den Defis gibt es spezielle Risiken. So kann eine Sonde eine Fehlfunktion haben, oder der Defi kann einen Schock auslösen, wenn es gar nicht nötig ist. Zudem können die Elektroschocks für den Patienten sehr unangenehm sein. "Einer meiner Patienten, ein Reiter, hat es mal so beschrieben: Es ist, wie wenn mich ein Pferd tritt", sagt Willems. Aber trotz solcher Beschwerden sei der Defi eine Lebensversicherung: "Diese Geräte verhindern, dass die Patienten am plötzlichen Herztod sterben, weil sie die lebensgefährliche Rhythmusstörung sofort erfolgreich behandeln."

"Eine gute Schrittmacherbehandlung zeichnet sich dadurch aus, dass für die jeweilige Rhythmusstörung der richtige Schrittmacher ausgewählt wird und dass Patienten, die einen Defi bekommen, auch psychisch gut darauf vorbereitet werden", betont Willems. Ein weiteres Qualitätsmerkmal sei eine möglichst niedrige Rate an Komplikationen nach dem Eingriff, wie zum Beispiel Infektion und Probleme mit den Sonden.