Eppendorf

Daniel "Balli" Sommerfeld: Erst Ironman - dann Leukämiestation

Der Sportler und Lehrer Daniel "Balli" Sommerfeld hat Leukämie. Familie und Freunde haben eine Hilfsaktion gestartet, um Spender zu finden.

Hamburg. UKE Klinikum Eppendorf. Haus O24, Station 5A. Eine Zimmertür mit einem Schild "Isolationsraum". Wer eintreten möchte, zieht einen grünen Kittel an und streift sich Wegwerfhandschuhe über. Hier liegt Daniel Sommerfeld, 35 Jahre alt, Sportlehrer und Ironman-Teilnehmer. Seit Februar weiß er, dass er an akuter Leukämie erkrankt ist. Nun benötigt "Balli", so nennen ihn seine Fußballfreunde, Stammzellen von geeigneten Spendern. Zwischen 1:100 000 bis 1:1 Million ist die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit, dass die Gewebemerkmale von zwei Menschen übereinstimmen. Am Sonntag können Helfer bei der Aktion "Werde Lebensretter" von "Uni hilft" die Wahrscheinlichkeit für "Balli" und viele weitere Krebskranke erhöhen und sich typisieren lassen.

Dass er nun auf der Leukämiestation im UKE liegt, begreift "Balli" manchmal selber noch nicht. Vor zwei Monaten war er noch bei den Vorbereitungen für das Trainingslager seiner zweiten Ironman-Teilnahme Anfang Juli auf Lanzarote. "Beim Lauftraining hatte ich plötzlich Schmerzen in den Knien", erzählt Sommerfeld über die Zeit Anfang Februar, als noch alles in Ordnung war. Zwei Tage später am Freitag taten ihm die Muskeln bei Schwimmen weh. Und als er am Sonntag das Dauerlauftraining mit Schmerzen und Schüttelfrost beenden musste, riet sein Schwiegervater ihm, in die Notaufnahme des UKE zu gehen. "Um 14.30 Uhr war ich da, um 18.30 Uhr schluckte ich bereits die ersten Chemo-Tabletten", sagt der Sportler.

Die Diagnose "Akute Leukämie" kam völlig unerwartet und war ein großer Schock für den 35-Jährigen. "Erst dachte ich: 'Man muss damit klarkommen'. Ein, zwei Tage später überfallen einen dann Gefühle wie Angst, Frust und Verzweiflung." Diese Gefühle seien immer noch nicht weg, so der „eiserne“ Mann, aber durch die Unterstützung seiner Frau, seiner Familie, seiner Freunde und seiner Schüler hätte er unglaublich viel Energie getankt. Am Mittwoch hatten Freunde einen Solilauf rund um die Alster für ihn veranstaltet. Etwa 100 Teilnehmer spendeten dabei 1300 Euro. Dieses Geld soll vollständig in die Typisierungsarbeit von "Uni hilft", einer Aktion der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (BvMD), fließen.

In den nächsten Wochen sucht die Aktion "Uni hilft" potenzielle Stammzellenspender in Hamburg, so am Sonnabend beim Spiel HSV gegen Hannover 96 oder am Sonntag im UKE.

Sommerfeld hat nun gerade seinen zweiten Chemo-Zyklus hinter sich gebracht, der hat angeschlagen und er fühlt sich "relativ stabil". Da die Chemotherapie alleine aber nicht reicht – bei seiner Erkrankung besteht ein Rückfallrisiko, rieten die Ärzte auch ihm zu einer Stammzellentherapie.

Drei mögliche Spender wurden für ihn in den weltweit vernetzten Datenbanken von Stammzellenspendern schon gefunden. Ob diese aber wirklich in Frage kommen, ist noch nicht getestet. "Diese Tests sind sehr aufwendig", sagt der behandelnde Oberarzt des UKE, Prof. Dr. Walter Fiedler. "Und je besser die Eigenschaften von Spender und Empfänger zusammenpassen, desto größer ist die Chance, dass die Stammzellen vom Immunsystem des Erkrankten auch angenommen werden."

"Wir wünschen uns bei den Aktionen von 'Uni hilft' sehr viele Spender, für uns und die vielen anderen Leukämie-Erkrankten auf dieser Welt", sagen Daniel Sommerfeld und seine Frau Lydia. Das Ja-Wort haben sich die beiden im Februar auf der Leukämiestation des UKE gegeben.

Für den Spender sei eine Stammzellenentnahme übrigens längst nicht mehr so unangenehm, wie sie einmal war – in der Regel erfolgt die Entnahme in einem speziellen Prozess über das Blut, ganz ohne Vollnarkose. Der Stammzellengeber müsse dafür nur einige Stunden an ein spezielles Gerät angeschlossen sein, erklärt der Oberarzt des UKE.

Daniel "Balli" Sommerfelds Wünsche für die Zukunft nach der Leukämie-Behandlung: sich in jedem Fall wieder viel bewegen, Sport machen. Aber erst einmal werde er das ganz langsam angehen. Ironman will er dann vielleicht auch wieder sein – in 2016 oder 2020.

Typisierungsaktion für potentielle Stammzellenspender von "Uni hilft" in Hamburg: 14. April beim Spiel HSV gegen Hannover 96 oder am 15. April von 9 bis 18 Uhr im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Gebäude N55 (Campus Lehre) und am 06. Mai beim Spiel FC St. Pauli gegen Paderborn.

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