Zahl der Risikogebiete steigt

Droht Zecken-Alarm bald auch im Norden?

Trotz des kalten Winters könnte die Zeckenplage und das damit verbundene Risiko einer Gehirnhautentzündung weiter ansteigen. "Es gibt keine Veranlassung zu glauben, dass die Zecken weniger geworden sind", erklärte Prof. Jochen Süss vom Friedrich-Loeffler-Institut in Jena auf einer Veranstaltung in München. Die Zecken übertragen unter anderem Viren, die zu der Gehirnhautentzündung namens Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) führen.

Die Zahl der gemeldeten FSME-Kranken schwankt nach Auskunft des Robert-Koch-Instituts von Jahr zu Jahr stark und lag in den vergangenen neun Jahren zwischen 238 (2007) und 546 (2006). 2009 gab es bundesweit 314 Erkrankte. Die Erreger breiten sich nach Aussage von Süss nicht nur in Deutschland weiter aus, sondern auch in Europa und Asien. In 27 europäischen und sechs asiatischen Ländern trete das Virus mittlerweile auf.

So schützen sie sich wirksam vor Zeckeninfektionen

"Über diese Ursachen tappen wir noch völlig im Dunkeln", sagte Süss. Erstaunt war er über den Virusfund in Dänemark und in Finnland, wo sogar 100 Kilometer südlich des Polarkreises Viren gefunden worden seien. Viele Faktoren seien für die Ausbreitung der Viren verantwortlich. Im Falle der neuen Funde im Gebirge über 1500 Metern habe der Klimawandel großen Einfluss gehabt.

In Deutschland ist die Zahl der Risikogebiete gestiegen.

136 der bundesweit 440 Kreise seien Risikogebiete, die meisten davon liegen in Bayern und Baden-Württemberg. Erste Erkrankungen folgten auch im Norden Deutschlands, etwa in Hamburg, Niedersachsen oder Schleswig-Holstein, dazu im Saarland und Nordrhein-Westfalen, wo zuvor noch nie davon berichtet wurde. In Mecklenburg-Vorpommern tauchte das Virus nach 40 Jahren erneut auf.

An der ebenfalls von Zecken übertragenen Lyme-Borreliose erkranken jährlich bundesweit etwa 80 000 bis 100 000 Menschen, diese Infektion ist nicht auf Risikogebiete beschränkt. Es gibt keine Impfung dagegen, wohl aber Antibiotika.