Das neue Baby ist da

Gegen Eifersucht bei großen Geschwistern hilft Lob

Stolz statt Eifersucht: Eltern können schon während der Schwangerschaft das große Geschwisterkind auf die neue Situation vorbereiten - und so Konkurrenzverhalten vermeiden.

Stolz statt Eifersucht: Eltern können schon während der Schwangerschaft das große Geschwisterkind auf die neue Situation vorbereiten - und so Konkurrenzverhalten vermeiden.

Foto: dpa

Wenn das zweite Kind kommt, sortiert sich die Familie neu. Das erste Kind wird zum großen Bruder oder zur großen Schwester – neben Stolz gibt es da auch Eifersucht. Eltern können dem schon während der Schwangerschaft vorbeugen und sollten ganz entspannt damit umgehen.

Berlin (dpa/tmn) – "Du bekommst ein Geschwisterchen!" - diese Botschaft sorgt bei Kindern nicht nur für helle Begeisterung. Denn neben Vorfreude kann dabei auch Eifersucht aufkommen. Das muss aber nicht sein.

"Wenn sich die Eltern auf das zweite Kind freuen und diese Freude vermitteln, dann freut sich auch das erste Kind", sagt Heidemarie Arnhold. Sie rät zu einem altersgemäßen Einbeziehen des ersten Kindes von Anfang an. "Wenn der Bauch schon da ist, kann man das Große den Bauch anfassen lassen", rät die Vorstandsvorsitzende des Arbeitskreises Neue Erziehung (ANE). "Wenn er noch nicht da ist, kann man sagen: "Da wird bald ein dicker Bauch sein, da ist das Kind drin, aber jetzt ist das noch ganz klein.""

Mit Ritualen auf Baby vorbereiten

Eltern können daraus schon vor der Geburt ein Ritual machen. Sie können abends etwa immer sagen: "Jetzt singen wir dem Baby noch ein Lied", schlägt Judith Peltner vor. Sie ist Pflegedienstleiterin für das Eltern-Kind-Zentrum im Klinikum Nürnberg.

Zugleich sollten sie falschen Erwartungen entgegenwirken. Häufig stellen Geschwisterkinder sich vor, dass sie mit dem neuen Bruder oder der neuen Schwester gleich spielen können. "Hier kann man ihnen erklären: Das ist ein Baby, das ganz viel Hilfe braucht, das kann nicht gleich mit dem Auto oder der Puppe spielen", sagt Peltner.

Wochenbettbesucher sollten sich nicht ausschließlich um das Baby kümmern, sondern auch das andere Kind noch wahrnehmen, empfiehlt Inés Brock, Kinder- und Jugendlichen-Psychotherpeutin in Halle (Saale). Drei Jahre sind der schwierigste Altersabstand, hat Judith Peltner beobachtet. "Dann ist das Geschwisterkind in der Trotzphase." Es habe gelernt, die alleinige Aufmerksamkeit der Eltern zu bekommen. "Es steckt sowieso gerade seine Grenzen ab, und dann kommt, in den Augen des Großen, ein Rivale ins Haus."

Kinder nicht gegeneinander ausspielen

Aber eine Konkurrenz entsteht laut Heidemarie Arnhold nur, wenn Eltern diese fördern, etwa indem sie die Kinder gegeneinander ausspielen. Was überhaupt nicht geht, sei ein Satz wie: "Du hast ja immer so viel geschrien, und dieses schreit überhaupt nicht!"

Wenn ein Kind helfen möchte, darf es das gerne. Viele Kliniken oder Geburtshäuser bieten sogenannte Geschwisterkurse an, so auch das Klinikum Nürnberg. In einer Stunde lernen dort drei- bis sechsjährige Kinder an einer Puppe, ein Baby zu wickeln, zu halten oder die Flasche zu geben. So soll der Stolz auf das Geschwisterkind gestärkt werden, erklärt Pflegedienstleiterin Peltner.

Wenn das Baby da ist, will manches ältere Geschwisterkind auf einmal auch wieder Baby sein. Eine ganz normale Reaktion, findet Inés Brock. "Für einen Drei-, Vier-, Fünfjährigen ist das natürlich faszinierend zu beobachten, dass das Baby schreit und einkackt, und alle freuen sich drüber." Entsprechend will das Große das auch ausprobieren, möchte aus der Flasche oder an der Brust trinken oder nässt vielleicht sogar wieder ein. "Sie versuchen, das Verhalten des Babys nachzuahmen, um zu sehen, ob Mama auch so reagiert."

Gelassen bleiben hilft

Kein Grund zur Sorge, findet Brock. "Man kann das spielerisch aufgreifen und gleichzeitig die Vorteile des Großseins wieder in den Vordergrund rücken." So sollten Eltern etwa das Kind für Dinge loben, die es schon kann. Für sie ist Eifersucht verständlich - nur das Verhalten sei je nach Alter unterschiedlich. Ein Zweijähriger kneift, ein Vierjähriger schmeißt sich auf den Boden, eine Siebenjährige verschwindet schmollend und türenknallend im Zimmer. Je gelassener Eltern damit umgehen, desto besser.