Durch die Hintertür zum Job

Wer keinen Ausbildungsplatz findet, hat die Chance, sich über die Einstiegsqualifizierung in einem Betrieb zu beweisen – und zu empfehlen

Für Konstantin Kondratov war nach der Schule alles klar: Er wollte Mediengestalter werden. Anderthalb Jahre nach seinem Realschulabschluss war er noch immer ohne seinen Traum-Ausbildungsplatz. Doch er fand einen Weg – nämlich den über die „Einstiegsqualifizierung“, kurz EQ.

Initiiert wurde diese im Jahr 2004 von der Wirtschaft. Es ist eine Maßnahme mit sechs- bis zwölfmonatigen Betriebspraktika, bei denen die Jugendlichen genau festgelegte Teile anerkannter Ausbildungsberufe vermittelt bekommen und sich im Laufe der Zeit unter Beweis stellen können – und so vielleicht am Ende ein Ausbildungsplatz herausspringt. 2005 wurde der Verein „Ausbildungsförderung der Hamburger Wirtschaft“ gegründet, hinter dem die Vereinigung der Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein (UVNord), die Handwerkskammer und die Handelskammer stehen. Bildungsbegleiter des Vereins sind Mittler zwischen Betrieben und Jugendlichen, sie prüfen Potenzial und Ausbildungsbereitschaft, Berufswünsche, Alternativen und Bewerbungsunterlagen.

Beate Regina Walter ist eine Bildungsbegleiterin und sprach mit Konstantin. Was das Faszinierende an der Mediengestaltung sei, wollte sie wissen. „Etwas Neues zu entwickeln“, antwortete er. Aber das täten andere Berufsbilder auch, sagte Beate Regina Walter und vermittelte Konstantin in die „Gesellschaft zur Förderung der Eigenvermarktung“.

Deren Geschäftsführer Lars Boettger, mit dem die Bildungsbegleiterin seit einem Jahr zusammenarbeitet, hat sich bewusst für Kandidaten entschieden, „die schon etwas älter sind und das ganz wilde Leben hinter sich gelassen haben“. Konstantin ist 20 und hat sich für den Fachinformatiker für Systemintegration entschieden. „Ich bin derjenige, der das System pflegt und auch Datenbanken programmiert.“ Das mache ihm Spaß, sei kreativ und abwechslungsreich. Mittlerweile ist er Auszubildender im ersten Lehrjahr. „Die EQ wurde nach vier Monaten abgebrochen. Im Gegenzug hat mein Chef mir einen Ausbildungsvertrag angeboten.“

Es gab Zeiten, da war der 20-Jährige enorm gestresst von den neuen Anforderungen. Dadurch stand die Qualifizierung auch ziemlich auf der Kippe. „Aber dann habe ich mir vorgestellt, wie es wäre, wieder wie vor der EQ hier und da Jobs zu haben ohne eine vernünftige Ausbildung, und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich das nicht will“, sagt der junge Mann. Danach hat Konstantin richtig angepackt, den Umzug der Firma gemanagt und seinem Chef deutlich gemacht, dass man sich auf ihn verlassen kann: „Man muss sich einfach diesen einen Kick geben.“