Editorial

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Liebe Leserinnen, liebe Leser

Wenn Menschen, denen man nahesteht, trauern, ist das oft schwer auszuhalten. Zuerst ist man vielleicht unsicher, wie weit man den Tod des geliebten Menschen ansprechen sollte; nach Wochen der Traurigkeit und den immer gleichen Sätzen denkt so mancher vielleicht ungeduldig: Jetzt könnte sie oder er mal nach vorne schauen. Das Leben geht doch weiter. Das ist vielleicht auch ein Grund, warum Trauer in unserer Gesellschaft nicht wirklich thematisiert wird. Wir haben keine offene Trauerkultur, alle sind zu sehr mit dem Hier und Jetzt beschäftigt. Der Tod kommt später…

Aber manchmal kommt er ganz plötzlich über einen. Da erkrankt der Partner unheilbar an Krebs, der Vater stirbt am Herzinfarkt. Oder das Kind kommt einfach nicht zurück nach Hause. Und es gab noch nicht mal mehr Zeit, sich zu verabschieden. So ist es der Mutter ergangen, die in unserem Schwerpunkt Trauer über den Tod ihrer Tochter und seine schrecklichen Folgen berichtet. Kaum auszuhalten. Denn es ist unmöglich, das nicht nahe an sich herankommen zu lassen. Aber es darf auch mal ganz tief unter die Haut gehen, es darf auch mal schmerzen – denn die Auseinandersetzung mit dem Tod gehört zu uns. Das Traurige ist nur, man kann niemandem die Trauer abnehmen. Trauernde müssen alleine durch das tiefe Tal. Man kann nur für sie da sein. „Trauer ist der Preis für die Liebe“, hat der Psychologe Hansjörg Znoj in einem „Geo Wissen“-Heft gesagt. Sehr wahr.

Ich habe letztens eine Frau gesprochen, die seit Jahren verwitwet ist und die etwas sehr Tröstliches sagte: „Ich vermisse meinen Mann immer noch, aber ich bin so dankbar und glücklich über die Jahre, die wir gemeinsam hatten. Das kann nicht jeder über seinen Partner sagen.“

Einen schönen Herbst wünscht Ihnen

Ihre Sabine Tesche