Wenn aus Liebe Langeweile wird

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Sabine Tesche

Manche Beziehungen dümpeln vor sich hin und brauchen dringend eine Auffrischung. Tipps gegen die Partnerkrise

Natürlich verschwinden Schmetterlingsgefühle im Bauch im Laufe einer längeren Partnerschaft. Aber wenn eine Beziehung in Langeweile übergeht, dann sollten die Alarmglocken leuchten. Die Psychologen Dr. Werner Strodmeyer und Susanne Zemke von der Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen des Erzbistums Hamburg geben Tipps, wie man eine Partnerschaft neu beleben kann.

1. Partnerschaften geraten oft ohne ersichtlichen Grund nach Jahren in die Krise. Woran liegt das?

Werner Strodmeyer:

Manchmal wird das, was anfangs in einer Beziehung attraktiv war, mit der Zeit als störend erlebt. So kann die Lebendigkeit heute zur Überforderung werden oder jemand war früher der ruhende Pol, heute ein schweigender oder fernsehender Langweiler. Partner sind ja nicht losgelöst von ihrer Umwelt, sondern die Gesellschaft, Arbeit, Kultur, der Zeitgeist beeinflussen sie. Das unterstützt die Gefahr, den gemeinsamen Weg zu verlieren. Dagegen hilft es, sich die Bedeutung des Zusammenlebens bewusst zu machen und die Beziehung zu pflegen, um mit den Erwartungen und Hoffnungen konstruktiv umgehen zu können. Dass all das auch enttäuscht werden kann, ist normal in Beziehungen, die auf Dauer angelegt sind. Manchmal kann ein Paar es aber auch nicht aushalten, wenn etwas Schlimmes passiert. Aber Ehen werden meiner Erfahrung nach nicht von alleine schlechter.

2. Was kann man gegen die Entfremdung tun?

Susanne Zemke:

Es hilft, wenn Paare sich zu gemeinsamen Gesprächen immer wieder verabreden, und sich dann auch bewusst Zeit füreinander nehmen. Auch Rituale unterstützen dabei, Krisen und Langeweile zu verändern. Ich schlage Paaren vor, zum Beispiel am Silvestertag über die Beziehung im vergangenen Jahr zu sprechen. Wie es jedem dabei ergangen ist und was es für eventuelle Wünsche für das neue Jahr gibt. Viele verbinden das mit einem schönen Spaziergang.

3. Ist es sinnvoll, alles zusammen zu machen?

Strodmeyer:

Nein! Balance zwischen Ich und Wir, zwischen Individualität und Gemeinsamkeit, zwischen neu und vertraut muss man in einer Partnerschaft immer wieder verhandeln. Wenn diese Balance gestört ist, man alles zusammen macht, verliert man das Gefühl für die „Reichtümer“ und Ressourcen des Partners. Wie viel Freiheit jeder braucht, ist sehr individuell. Paare ticken da sehr verschieden. Gibt es jedoch sehr unterschiedliche Ansichten in der Partnerschaft und erweisen die sich als massiv belastend, so sollte man möglichst frühzeitig darüber sprechen, wenn nötig auch mithilfe eines Therapeuten.

4. Sollte man sich Geheimnisse bewahren, um für den Partner spannend zu bleiben.

Zemke:

Süße Geheimnisse wie schöne Überraschungen zerstören nichts. Belastende Geheimnisse wie schwere Kindheit, Missbrauch oder Fremdgehen können sehr destruktiv auf die Partnerschaft und auch auf die ganze Familie wirken. Auf jeden Fall ist es ein Irrglaube, davon auszugehen, man kenne den anderen „auswendig“. Anthropologisch ist es völlig klar, dass wir einander nie ganz kennen können. Das Geheimnisvolle an der Beziehung ist ja oft das Reizvollste. Wer jedoch zur Kontrolle neigt, kann das nicht ertragen. Aber: Liebe ist nun mal ein Kind der Freiheit.

5. Wie bleibt man für den Partner auf allen Ebenen attraktiv?

Strodmeyer:

Die Pflege von Körper und Seele, die Pflege vom eigenen und gemeinsamen Beziehungsnetz sind die wichtigsten Zutaten dafür, dass man nicht die Wertschätzung für das eigene Lebensglück verliert. Dass der Partner mir was bedeutet, muss ich zunächst selber sehen, um es im zweiten Schritt auch zeigen und sagen zu können. Frauen und Männer brauchen lebenslang liebevolle, wertschätzende Gesten. Sonst verkümmert das Gemeinsame, was die Beziehung trägt. Und wer sich sein Glück in der Partnerschaft bewusst macht, hat auch eher die Kraft, Schwereres zu ertragen.

6. Welche Rolle spielt dabei das Sexualleben?

Zemke: Der Stellenwert von Sexualität variiert im Laufe des Zusammenlebens. Manchmal hilft es, sich von der Fixierung auf den Geschlechtsverkehr zu lösen. Denn es gibt ja auch weichere Praktiken, die sexuelle Lust erzeugen. Jugendlichkeitskult ist da äußerst kontraproduktiv. Der Körper verändert sich nun mal im Laufe des Lebens. Gerade bei längeren Partnerschaften kann im Sexualleben das Staunen wieder entdeckt werden. Da hilft die lustvolle Neugier, sich und den anderen neu zu erleben.

7. Wie kann man Kindern und Partner gerecht werden?

Strodmeyer:

Man muss sich auf alle Fälle lösen vom Anspruch, allen Anforderungen gerecht werden zu können, wenn man sich nur genügend bemüht. Man braucht ein realistisches Verhältnis zum Scheitern oder Fehlermachen. Bevor man völlig erschöpft ist, sollte man sich als jemand mit Grenzen akzeptieren. Und die Rollen als „Hubschraubereltern“ oder „Elterntaxi“ gefährden die Zweisamkeit.

Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen, Am Weiher 29. Tel.: 246524, efl-beratung-hh@kk-erzbistum-hh.de