Elbklassik Konzerte

Europäische Einigung, musikalisch gesehen

Vielseitigen Künstlern haftet mitunter der Ruch der Oberflächlichkeit an. Der Dirigent Thomas Hengelbrock tritt mit jedem seiner Projekte den Gegenbeweis an.

Ob er zeitgenössische Opern dirigiert oder barocke, ob er bachsche Strenge gegen die persönlich gefärbte Religiosität eines Frank Martin setzt oder mit seinem künftigen Orchester, dem NDR Sinfonieorchester, Dvoráks Sinfonie "Aus der Neuen Welt" aufführt: Stets verraten seine Konzepte, wie intensiv sich Hengelbrock mit der Musik beschäftigt, und zwar sowohl mit ihrem ästhetisch-emotionalen Gehalt als auch mit ihren geistesgeschichtlichen Hintergründen.

Am 9. November, genau 20 Jahre nach der Öffnung der Berliner Mauer, gastiert Hengelbrock mit seinem Balthasar-Neumann-Chor und Balthasar-Neumann-Ensemble im Michel. "Europa um 1730" lautet das Motto, und eins steht schon mal fest: dass neben dem puren Hörgenuss Erhellendes herauskommt. Auf dem Programm stehen geistliche Werke von vier der bedeutendsten Komponisten ihrer Zeit aus vier Ländern. Die Allzeitstars Vivaldi, Händel und Bach sind dabei, aber auch der Franzose André Campra, seinerzeit "sous-maître" am Hof von Versailles. Hengelbrock führt die Universalität ihrer Tonsprache vor - getreu seiner These: Mochte auch die Politik noch Jahrhunderte brauchen, kulturell war Europa um 1730 bereits geeinigt.

Europa um 1730 9.11., 19.30 Uhr, St. Michaelis. Karten unter der Abendblatt-Tickethotline T. 30 30 98 98.