Auf historischem Grund: Die Axel-Springer-Passage

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Matthias Gretzschel

Für viele Hamburger, die im September 1997 die Axel-Springer-Passage in Besitz nahmen, war es ein Novum: Erstmals hatten sie direkten Kontakt zum Verlag. Mittlerweile hat sich die 52 Meter lange und 24 Meter breite, lichtdurchflutete Passage zwischen Caffamacherreihe und Kaiser-Wilhelm-Straße zu einem der beliebtesten Flanierwege innerhalb der City entwickelt. Der von dem Hamburger Architekturbüro Karres-Hartmeyer-Dreyer entworfene Gebäudekomplex schließt nicht nur das neue Foyer mit den spektakulären Wandbildern von Frank Stella mit ein, sondern ebenso eine für die Allgemeinheit geöffnete Passage mit Cafeteria, Bar und Restaurants sowie einen Ausstellungs- und Veranstaltungstrakt.

Ein segelartiges Glasdach überspannt diesen Bereich, mit dem sich das Verlagshaus zur Stadt öffnet und sein Publikum Tag für Tag willkommen heißt.

Viele Besucher werden kaum wissen, dass sich der Stahl-Glas-Neubau auf historischem Boden befindet. Im Bereich zwischen Großen Bleichen und Kohlhöfen ging es jahrhundertelang beschaulich und verträumt zu. Seit dem 14. Jahrhundert hatten Hamburger Kaufleute und Ratsherren hier Gärten, die in der Barockzeit oft in Lustgärten umgewandelt wurden. Vom alten Millerntor am Mönkedamm führte eine Landstraße vorbei, auf der Fuhrwerke nach Eppendorf und weiter über Langenhorn bis nach Neumünster, Schleswig und Kiel ratterten. Spätestens Mitte des 19. Jahrhunderts war es mit der Beschaulichkeit vorbei. Hamburg wuchs, in der Neustadt entstanden enge Wohnviertel mit armseligen Fachwerkhäusern. 1853 kaufte der Gastwirt Ernst Wörmer das Gelände zwischen Fuhlentwiete und Kornträgergang, wo er einen Biergarten eröffnete. Zwei Jahre später ließ er dort eine Tonhalle errichten, die der Architekt Martin Haller 1870 umbaute und erweiterte. 1892, als die Kaiser-Wilhelm-Straße als Verbindung zwischen Stadthausbrücke und Holstentor angelegt wurde, erhielt der Conventgarten einen neuen repräsentativen Eingang. Im großen Saal trafen sich auch Heimat- und Turnvereine. Es gab Bälle und andere Geselligkeiten, wirklich berühmt wurde der Conventgarten vor allem als Konzertsaal.