WELT-Gruppe

Im Kern sehr hanseatisch

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Jörn Lauterbach

Heimatgefühl: Die Wurzeln von Welt, Welt am Sonntag und Welt kompakt

Dass Hamburg eine Weltstadt ist, steht für die allermeisten Hanseaten außer Frage. Aber viele wissen auch, dass ihre Heimat eine "Welt-Stadt" ist, mit eigenem Regionalteil und einer großen Zahl an Lesern - von denen nicht wenige sich im Gespräch erstaunt darüber äußern, dass die Bundesredaktion der Qualitätszeitung in Berlin und nicht an der Elbe angesiedelt ist. Denn Hamburg und Die Welt, das gehört für viele noch immer untrennbar zusammen. Tatsächlich war es ja auch von 1946 - in diesem Jahr erschien Die Welt unter britischer Kontrolle, 1953 wurde sie an den Verlag Axel Springer verkauft - mit Ausnahme eines kurzen Zwischenspiels Anfang der 50er-Jahre in Essen - bis 1975 so, dass die Gesamtredaktion an der Elbe saß und von hier aus zu den großen und wichtigen Tageszeitungen des Landes aufstieg. Um am politischen Deutschland, also an der Bundesregierung und dem Bundestag, "näher dran" zu sein, zog die Zeitung dann in die damalige Hauptstadt Bonn; im alten Welt-Haus an der Kaiser-Wilhelm-Straße blieb die Hamburg-Redaktion, die von hier aus täglich in der eigenen Beilage die Entwicklungen der Stadt begleitete, analysierte und kommentierte. Das blieb so, als das publizistische Flaggschiff des Axel Springer Verlages im Jahr 1993 nach Berlin übersiedelte, in der großen Hoffnung, dass der Bundestag bald folgen würde - was dann ja zum Glück auch geschah. Im neuen Jahrtausend zog dann auch die Redaktion der Welt am Sonntag nach Berlin, zurück blieben die Redakteure > > des Hamburg-Ressorts, die seitdem zusammen mit den Welt-Kollegen in einer Gemeinschaftsredaktion mit viel Einsatz und Liebe die spezifischen Hamburg-Seiten der Zeitungen erstellen, natürlich längst untergebracht im Kerngebäude des Verlags mit Blick auf die Dächer der Stadt, von denen auch einige der ansonsten gern betont kritischen Journalisten sagen, dass sie die schönste der Welt ist. Dem Bundesteil der Zeitungen, heute unter der Regie von Chefredakteur Jan-Eric Peters, wird von hier aus zugeliefert, was überregional von Interesse ist - und das ist nicht wenig.

Die Zeitungen der Welt-Gruppe sind trotz der wechselvollen Geschichte in ihrem Kern sehr hamburgisch geblieben; vermutlich denken auch deswegen noch manche Leser, sie würden auch in Gänze hier erstellt werden. Die Verteidigung bürgerlicher Werte, die Überprüfung politischer Entscheidungen nach Parametern, die nicht jedem Zeitgeist unterworfen werden, die Verteidigung der Wünsche der Wirtschaft und eine Fokussierung auf Hochkultur, ohne dabei die wirklich wichtigen gesellschaftlichen Entwicklungen auszublenden - das sind seit jeher Hamburger Tugenden, die in der Tages- und Sonntagszeitung eingelöst werden und diese gleichzeitig prägen. Der Hamburg-Teil blickt weit über den Tellerrand. Wer Die Welt, Welt kompakt oder die Welt am Sonntag in Schleswig-Holstein, Bremen, in großen Teilen Niedersachsens und Mecklenburg-Vorpommerns erwirbt, wird hier ebenfalls die Berichterstattung aus Hamburg finden - und feststellen, dass auch seine Stadt oder Region auf der täglichen Nordseite oder in den Berichterstattungen der Ressorts Wirtschaft, Sport und Kultur sehr regelmäßig berücksichtigt wird. Ein Einsatz, der sich lohnt: Dort, wo die Welt und Welt am Sonntag Hamburg erscheinen, zeigt sich die Auflage auffallend robust. Und so ist es kein Wunder, dass besonders in den Haushalten mit hohem Familieneinkommen, bei den Bessergebildeten und bei den Entscheidern aus Wirtschaft, Politik und Kultur die Zeitungen mit der Weltkugel im Kopf zu den führenden Informationsquellen gehören. Im Konzert der Hamburger Zeitungen spielt Die Welt somit zwar nicht am lautesten, es gibt - gerade aus dem eigenen Verlag - starke Mitbewerber im täglichen Rennen um die beste Geschichte und die Kaufentscheidung am Kiosk.

Für die Leser die Garantie, journalistische Vielfalt genießen zu können. Für die Redaktion eine schöne Herausforderung und gleichzeitig eine große Aufgabe. Die Weltstadt Hamburg ohne eine eigene Welt-Ausgabe ist für sie unvorstellbar.