Der Vorstandsvorsitzende

Aufbruch in die Moderne

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Mathias Döpfner

Für die Axel Springer AG ist Hamburg nicht nur ein Standort mit großer Geschichte, sondern vor allem ein Standort mit sicherer, glänzender Perspektive

"Mit der Heimat im Herzen die Welt umfassen" - unter diesen Wahlspruch, der von Gorch Fock entlehnt war, stellte Axel Springer 1948 die Gründung des Hamburger Abendblatts. Und zwei Jahre später entstand aus demselben patriotischen und zugleich weltoffenen Geist unser Hamburger Verlagshaus. Damals, als das deutsche Wirtschaftswunder begann, brauchte man für eine Grundsteinlegung keine großen Feierlichkeiten, keine Festreden, keine Häppchen. Am 17. Oktober 1950 rollten einfach die Bagger an. Typisch hanseatisch: nicht lang schnacken, sondern kräftig zupacken.

Alles ging Schlag auf Schlag. Schon im Frühjahr 1951 kamen am neuen Standort Rotationsmaschinen in einem Behelfsbau zum Einsatz, das Druckereigebäude wurde Anfang Mai 1951 in Betrieb genommen. 1952 folgte die Gründung der Bild-Zeitung - noch im Haus An der Alster. 1954 hatte dann das Bürogebäude, Hamburgs erstes Hochhaus, sein Richtfest: 14 Geschosse, über 42 Meter aufragend. Als es 1956 fertiggestellt war, symbolisierte es mit seinem großzügigen Foyer und der Glasfassade den Aufbruch aus der Nachkriegsmisere in die Moderne.

Heute ist Berlin unser Hauptsitz, aber in Hamburg liegen unsere Wurzeln. Und wir können stolz darauf sein, dass der schöpferische Unternehmergeist, den Axel Springer in den Hamburger Anfängen vorgelebt hat, unser Haus bis heute auszeichnet. Kreativität und Unternehmertum gehören seitdem zu den zentralen Werten unseres Verlages und sind auch Bestandteil unserer Führungsgrundsätze. "Überall brutzeln Pläne", schrieb Axel Springer zur Zeit der Grundsteinlegung. Diese plastische Beschreibung ist erfreulicherweise noch immer kennzeichnend. Das unternehmerische Denken ist auch heute überall am Standort präsent.

Das gilt zunächst für das Hamburger Abendblatt, das sich gut 60 Jahre nach seiner Gründung mit der Strategie "Abendblatt 3.0" noch einmal entscheidend weiterentwickelt hat. Der erste Schritt war im Sommer 2009 der Umzug in einen multimedialen Newsroom, den modernsten Europas. Dann folgte ein Relaunch der Website und schließlich im April 2010 die Neugestaltung der Print-Ausgabe. Den Anspruch an das Hamburger Abendblatt hat Axel Springer einst so formuliert: "Machen Sie die beste Lokalzeitung, die es in Deutschland gibt, und wenn Ihnen das nicht reicht, machen Sie die beste Lokalzeitung der Welt." Mit so viel Innovationsfreude ist das Abendblatt auf bestem Wege, diesen hohen Anspruch auch im Digitalzeitalter einzulösen.

Unsere in Hamburg angesiedelten Zeitschriften haben jüngst mit Hörzu Wissen und Auto Bild Klassik gezeigt, dass der Launch neuer Print-Titel noch immer höchst erfolgreich sein kann. Die Programmzeitschriften haben ihre Aufgabe, den Lesern Orientierung in der unübersichtlichen TV-Welt zu bieten, mit dem Personal-TV-Dienst "watchmi" auf die digitalen Kanäle übertragen, und Computer Bild ist mit seinem Online-Portal unter den Top 25 der reichweitenstärksten deutschen Websites und Top 10 der Content-Portale vertreten.

Unternehmerisches Denken prägt auch den wachsenden Erfolg unserer elektronischen Medien an Elbe und Alster. Mit Beginn der Digitalisierungsoffensive im Jahr 2006 haben wir am Standort Hamburg umfangreich investiert. Immonet war eine unserer ersten Beteiligungen an einem jungen Internet-Unternehmen. Und Gamigo schreibt von Hamburg aus eine phänomenale Erfolgsgeschichte im Online-Spielesegment.

Zudem ist Axel Springer an drei wichtigen elektronischen Medienkanälen in Hamburg beteiligt: dem TV-Sender Hamburg 1, dem Stadtportal Hamburg.de und dem Sender Radio Hamburg. Hinzu kommen der Fernsehproduzent Schwartzkopff TV und die Mitarbeiter, die für den Online-Vermarkter Zanox in Hamburg tätig sind. Unsere digitalen Medien, die im Schwerpunkt von Hamburg aus geführt werden, setzen inzwischen jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag um und sind hochprofitabel. Besonders deutlich zeigt sich das Wachstum unserer digitalen Geschäftsfelder in der Hansestadt an der Mitarbeiterzahl: rund 500 Beschäftigte - das bedeutet binnen fünf Jahren einen Zuwachs von fast 200 Prozent.

Mit Unternehmergeist hat Axel Springer aus dem Trümmergrundstück an der Kaiser-Wilhelm-Straße zunächst den Sitz von Europas größtem Zeitungsverlag gemacht. Hamburger Abendblatt, Bild, Bild am Sonntag, Die Welt und Welt am Sonntag gehören zu den bedeutendsten Medienmarken. Inzwischen ist uns die Transformation von einem Druckhaus zu einem Multimedia-Unternehmen gelungen. Die Vitalität des Standorts spiegelt sich übrigens auch in den gesamten Mitarbeiterzahlen: Mit rund 2750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beschäftigen die Axel Springer AG und ihre Tochtergesellschaften in Hamburg mehr Menschen als die anderen großen Verlagshäuser der Stadt. Hinzu kommen noch die Mitarbeiter in der Zeitungsdruckerei vor den Toren Hamburgs - in Ahrensburg. Vor diesem Hintergrund bin ich manchmal doch verwundert, wenn ich die leicht besorgte Frage höre: "Wie sehen Sie denn eigentlich die Zukunft des Standorts Hamburg?" Natürlich weiß ich, dass der Umzug der Bild-Redaktion in die Hauptstadt manchen Kollegen und auch manchen Hanseaten verunsichert hat. Lassen Sie mich daher die Frage noch einmal klar beantworten: Hamburg ist nicht allein Ort der Verlagsgründung, ist nicht nur ein Standort mit großer Geschichte, sondern vor allem ein Standort mit sicherer, mit glänzender Perspektive.

Von Beginn an war das Verhältnis des Verlags zur Stadt Hamburg ein enges. Und daher war auch die Architektur des neuen Verlagsgebäudes ganz auf Offenheit zur Stadt angelegt. Diese Offenheit hatte die Kehrseite der Verletzlichkeit. Im Mai 1972 explodierten zwei Bomben linksradikaler Gewalttäter. 17 Mitarbeiter wurden verletzt. Nach dieser schwärzesten Stunde der Hamburger Verlagsgeschichte waren die Folgejahre verständlicherweise von verschärften Sicherheitsmaßnahmen und auch einer gewissen Wagenburgmentalität geprägt. Doch allerspätestens mit der Einweihung der Axel-Springer-Passage 1997 konnten wir an die gute Tradition des offenen Hauses anknüpfen. Mit dem kühnen Neubau legte Axel Springer Anfang der 50er-Jahre auch einen Nukleus für die starke Medienmetropole Hamburg. Bis heute bestehen zwischen den Verlagen der ersten Stunde freundschaftliche Beziehungen. Auch die medienpolitischen Impulse, die von Hamburg ausgingen, sind beachtlich. Zuletzt wurde von Hamburg aus ein Paradigmenwechsel zur Finanzierung journalistischer Qualitätsangebote im Internet eingeleitet. Die "Hamburger Erklärung", der sich inzwischen knapp 200 internationale Verlage sowie zwei große Verlegerverbände angeschlossen haben, stellt eindringlich klar, dass die Freiheit des Journalismus im Digitalzeitalter nicht gleichbedeutend mit der Kostenlosigkeit von Online-Angeboten ist und das Urheberrecht an die Bedingungen des Internets angepasst werden muss, um Qualität und Vielfalt zu bewahren.

Axel Springer war überzeugt: "Einen Grundstein zu legen, das bedeutet Zuversicht und Glaube in die Zukunft." Einen wichtigen Grundstein haben wir auch in diesem Jubiläumsjahr gelegt: Auf 700 Quadratmetern haben wir für einen siebenstelligen Betrag am Hamburger Standort eine betriebsnahe Kindertagesstätte geschaffen, die wir heute offiziell eröffnen. Sie bietet 50 Kindern Betreuung und Entfaltungsmöglichkeiten. Damit wollen wir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern. Vor wenigen Tagen haben wir angekündigt, dass wir den Anteil von Frauen auf allen Führungsebenen in den nächsten fünf bis acht Jahren im Unternehmensdurchschnitt verdoppeln wollen. Uns ist bewusst: Mit den besseren Betreuungsmöglichkeiten allein ist es nicht getan. Unser ambitioniertes Ziel setzt nicht weniger als einen tief greifenden kulturellen Wandel voraus. Denke ich jedoch an die Innovationsfreude, die den Standort Hamburg von der ersten Stunde an geprägt hat, die Tatkraft und die Kreativität unserer Mitarbeiter, bin ich sehr optimistisch gestimmt.

Heute haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Hamburg allen Grund, mit Stolz auf 60 Jahre Verlagsgeschichte an Elbe und Alster zurückzublicken. Und diese lange Tradition publizistischer und unternehmerischer Erfolge in Hamburg ist der allerbeste Grund, auch der Zukunft mit Zuversicht entgegenzusehen.