Als die Gondeln Neues hörten

Der NDR Chor geht auf Spurensuche in der Musikstadt Venedig

Mitte des 16. Jahrhunderts vollzog sich in der geistlichen Musik eine Trendwende. Die komplexe Polyphonie mit ihren fein verästelten Linien wurde allmählich von einem neuen Ton verdrängt - mit kräftigen dynamischen Effekten und blockhaften Kontrasten. Hier offenbarte sich eine Lust am Klang, den es vorher so nicht gegeben hatte. Zentrum der neuen Strömung war Venedig. Im dortigen Markusdom mit seinen einander gegenüberliegenden Emporen erkundeten die Musiker räumliche Klangwirkungen und Echoeffekte. Hier entstand das, was später als venezianische Mehrchörigkeit in die Musikgeschichte eingehen sollte.

Im dritten Abo-Konzert unter dem Motto "Venezia" entführen der NDR Chor und sein Direktor Philipp Ahmann ihre Hörer in diese Klangwelt, unterstützt von den Blechbläsern des Ensembles NDR Brass. Auf dem Programm stehen Werke von Gabrieli und Monteverdi, die in der Umbruchphase entstanden - aber auch Hans Werner Henzes "Sonata per otto ottoni", mit denen der Komponist an die venezianische Tradition anknüpfte.

Durch ihre reiche kulturelle Tradition hat die Lagunenstadt auch im 19. Jahrhundert viele Musiker angezogen, darunter auch Richard Wagner, der die letzten Monate seines Lebens in Venedig verbrachte und dort starb. Mit den A-cappella-Bearbeitungen von Franz Liszts Klavierstück "Wagner - Venezia" und Wagners Lied "Im Treibhaus" beschwört der NDR Chor eine mal düstere, mal schwüle Atmosphäre. Auch das sind Facetten Venedigs.

Venezia 19.2., 18.00, St. Johannis Harvestehude. Karten unter T. 0180/178 79 80* oder www.ndrticketshop.de

( (Stä) )