Feiern ohne lästige Verwandte

Es soll ein harmonischer Tag werden. Doch wen sollen Brautpaare einladen - vor allem, wenn es Konflikte gibt?

Die Liebe ist groß und das Paar ist sich einig: Wir wollen heiraten. Die Hochzeit soll in jedem Fall ein wunderbarer Tag werden und allen Beteiligten in positiver Erinnerung bleiben. Jetzt sind Entscheidungen gefragt. Wo soll gefeiert werden, wie groß soll die Feier sein und was trägt die Braut? Eine zentrale Frage, die auch Konfliktpotenzial birgt, lautet: Wen laden wir zur Hochzeit ein? Was ist mit entfernten Verwandten oder dem Bruder, zu dem seit Jahren kein Kontakt mehr besteht? Und was ist, wenn die Schwiegereltern geschieden sind und mit dem neuen Partner des Ex nicht zusammentreffen wollen? Wie bei Jens Meierfeld und Sabine Schuster. Der (geschiedene) Vater von Sabine wollte "auf gar keinen Fall" mit seiner früheren Frau und deren neuem Mann zusammentreffen. Was tun? "Hierbei aktualisieren sich häufig alte Kränkungen, die sich dann an einem Tag wie der Hochzeit, aber auch Weihnachten zuspitzen können", sagt Ulrich Wilken. Der Psychotherapeut und 1. Vorsitzende des Instituts für systemische Studien rät dazu, entweder alle einzuladen und den Gästen die Wahl zu überlassen, ob sie kommen wollen, oder aber bei sehr zugespitzten Situationen als Paar allein ohne Gäste zu heiraten - möglicherweise auch im Ausland. Wilken: "Der Wunsch und das Ideal ist natürlich, alle bei der Hochzeit an einem Tisch zu haben." Die Eltern mit ihren neuen Partnern und möglicherweise sogar ehemalige eigene Partner.

Hochzeitsplanerin Melanie Schmitz von der Agentur Marry me hat die Erfahrung gemacht, dass Eltern sich häufig in die Hochzeitsvorbereitungen einmischen. "Ich rate meinen Kunden, auf ihren Bauch zu hören. Es ist ihre Hochzeit und ihr besonderer Tag." Oft helfe es, die Eltern in die Vorbereitungen einzubeziehen. Viele Paare fragen sie auch, "kann man das überhaupt machen" - wie ein Barbecue oder eine Hochzeit am Strand. "Es gibt keine Regeln", sagt Melanie Schmitz, "und man kann ohnehin nicht allen gerecht werden." Ihr Tipp: Nur die Menschen einzuladen, an denen einem etwas liegt und zu denen aktuell auch Kontakt besteht. Das Paar sollte sich auf seine Zweierbeziehung besinnen und sich bei seinen Hochzeitsüberlegungen nicht zu stark in den Gästen verlieren, ist ein Hinweis von Julia Riebeling, die als Life & Business Coach arbeitet. Eine Möglichkeit sei auch eine Hochzeit nur mit den Eltern ohne die neuen Partner und eine große Feier danach. Riebeling: "Entscheidend ist, dass sich das Paar einig ist und dies auch nach außen klar kommuniziert."

Sich mit der gemeinsam getroffenen Entscheidung eindeutig zu positionieren berge auch das Risiko der Ablehnung, sagt Wilken. Es liegt dann bei den Eltern, wenn diese gekränkt sind. "Damit muss das Paar fertig werden." Auch die Erkenntnis, dass eine angestrebte Harmonie nicht möglich ist, verlange Stärke. "Sich von einer Sehnsucht zu verabschieden ist immer ein schmerzhafter Prozess", sagt Wilken.

Sabine und Jens haben sich entschieden und nur für sich allein geheiratet - auf Fanø in Dänemark.

"Entscheidend ist, dass sich das Paar einig ist und das nach außen klar kommuniziert." Julia Riebeling

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