Neue Suchmaschine

Ex-Google-Mitarbeiter präsentieren "Cuil"

„Cuil“ will mehr Seiten durchforsten - Ergebnisse werden grafisch aufbereitet dargestellt. Der Marktführer reagiert gelassen.

San Franscisco. Anna Patterson kennt sich aus mit Suchmaschinen: Sie entwickelte eine eigene Internet-Technologie, die 2004 von Google aufgekauft wurde. Dann arbeitete sie mehrere Jahre für den Marktführer, bevor sie mit ihrem Ehemann und einigen Ex-Google-Kollegen eine neue Suchtechnologie aufbaute. "Cuil" (sprich: cool) soll umfassender und effektiver das Netz nach gewünschten Informationen durchsuchen. Mit 33 Millionen Dollar Risikokapital ausgestattet nimmt "Cuil" den Kampf David gegen Goliath auf und ging am Montag an den Start.

Während der Entwicklungsphase gingen Patterson, ihr Ehemann Tom Costello und die Kollegen Russell Power und Louis Monier nicht an die Öffentlichkeit. Jetzt wollen sie jedoch zeigen, was ihre Neuentwicklung kann und nennen eine beeindruckende Zahl: Der Suchindex von "Cuil" umfasst 120 Milliarden Webseiten. Patterson erklärte, das seien wahrscheinlich drei Mal so viel wie bei Google. Mit Sicherheit lässt sich das nicht sagen, denn der Marktführer nennt seit fast drei Jahren keine Zahlen zu seinem Index mehr. Damals waren es 8,2 Milliarden Seiten. Google-Sprecherin Katie Watson erklärte dagegen, der Google-Index sei nach wie vor der größte.

Nach einigen Anfragen zum neuen Konkurrenten versicherte Google am Freitag in seinem Blog, man durchsuche regelmäßig eine Billion Weblinks. Sie würden jedoch nicht alle in den Index aufgenommen, weil sie entweder ähnliche Inhalte hätten oder die Qualität der Suchergebnisse verschlechtern könnten.

"Cuil" will jedoch auch auf anderen Gebieten an Google vorbeiziehen. Statt die Qualität und Anzahl der Links auf Webseiten einzuschätzen, wie der Marktführer es tut, geht "Cuils" Technologie nach Angaben Pattersons in die Tiefe und bewertet den tatsächlichen Inhalt einer Seite. Die Ergebnisse werden nicht in einer Liste dargestellt, sondern magazinartig mit Bildern präsentiert. Daneben finden sich Kategorien zum Thema, die für weitere Informationen angeklickt werden können. Schließlich will "Cuil" auch mit dem Versprechen punkten, nicht wie Google Informationen über die Suchanfragen der Nutzer zu speichern.

Die neue Suchmaschine ist bei weitem nicht die erste, die Google herausfordern will. Gleiches hat zuvor bereits Teoma versucht, dessen Technologie später bei Ask.com verwendet wurde, sowie Vivisimo, Snap, Mahalo und Powerset. Letztere wurde in diesem Monat von Microsoft übernommen.

Microsoft und Yahoo haben hunderte Millionen Dollar in die Internet-Suche investiert und verlieren gegenüber Google doch an Boden. Im Mai hatte Google einen Marktanteil von 62 Prozent bei den US-Anfragen. Yahoo kam auf 21 Prozent, Microsoft nur auf 8,5 Prozent, wie comScore ermittelte.

Google ist zum Synonym für die Internet-Suche geworden. Damit sei es vielleicht sogar egal, wie gut "Cuil" oder andere Konkurrenten seien, sagte der Analyst Allen Weiner. "Bei der Suche geht es genauso wie bei allem anderen um die Marke", erklärte er. "Ich bezweifle, dass 'Cuil' irgendjemandem bei Google den Schlaf raubt."

Google begrüßte den neuen Mitbewerber mit der üblichen Begeisterung. "Großartige Wettbewerber sind von gewaltigem Nutzen für uns", erklärte Watson. "Sie lassen uns härter arbeiten und davon profitieren unsere Nutzer."

Allerdings sieht sich der Platzhirsch zum ersten Mal mit einer Suchmaschine konfrontiert, die von ehemaligen Mitarbeitern entwickelt wurde. Patterson kam 2004 zu Google, nachdem sie den Suchindex Recall entwickelt und verkauft hatte. Sie arbeitete bei Google mit Power in einem Team. Monier war ebenfalls kurze Zeit für Google tätig, war jedoch zuvor Technologie-Chef bei AltaVista, das bis zur Einführung von Google 1998 als beste Suchmaschine galt. Pattersons Ehemann entwickelte Ende der 90er Jahre eine Suchmaschine mit Namen Xift und arbeitete später für IBM. Der Name "Cuil" geht auf Costellos irisches Erbe zurück. Finn McCuill ist eine Figur der keltischen Folklore.

Patterson hat nach eigenen Angaben gerne für Google gearbeitet, war aber dann mit dem Suchansatz des Unternehmens nicht mehr zufrieden. "Google sieht seit zehn Jahren praktisch gleich aus", sagte sie. "Und ich kann garantieren, dass es in einem Jahr noch genauso aussieht."