Apple: Betriebssystem-Update

Der Leopard setzt zum Sprung an

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Jörg Riewenherm

Die neueste Version des Apple-Betriebssystems MacOS X ist jetzt frisch im Handel. Es hatte diesmal länger gedauert, als man das von Apple gewohnt war.

Microsoft-Kunden sind leidgeprüft, was das Warten auf große Windows-Updates betrifft der Weg bis Vista war weit. Das Warten auf neue MacOS-Versionen war dagegen meist etwas berechenbarer, da sich der Computerhersteller aus Cupertino eigentlich immer an seine Zeitpläne gehalten hat wenn denn überhaupt welche publik gemacht wurden.

Das nächste große Update des Unix-basierten Betriebssystems musste allerdings ein wenig warten: Das iPhone hatte Vorrang und band bei Apple offenbar enorme Entwicklungs-Kapazitäten. Im April dieses Jahren entschied man sich deshalb, den "Leoparden", so der Codename von MacOS X 10.5, von ursprünglich Juni auf Oktober 2007 zu verschieben.

Am 26. Oktober ist es soweit, und der Verkauf der neuen Version beginnt. Im Vergleich zu seinem Vorgänger "Tiger" bietet MacOS 10.5 laut Apple über 300 neue Funktionen. Die Benutzeroberfläche, der "Finder", wie er im Mac-Jargon heißt, wurde gründlich überarbeitet. Dateien die auf dem Desktop oder in Fenstern angezeigt werden, verfügen jetzt über eine automatische Vorschau. Man muss ein Dokument also nicht sofort mit dem zugehörigen Programm öffnen, um dessen Inhalt in Augenschein zu nehmen. Verzeichnisse mit Fotos lassen sich beispielsweise regelrecht durchblättern, wie man das schon aus der Cover-Flow-Funktion in iTunes kennt.

Eine herausragende Neuerung ist die "Time Machine". Hier treibt Apple die schon aus Windows XP bekannt Funktion "Systemwiederherstellung" auf die Spitze: Die "Time Machine" erzeugt nicht nur permanent Sicherungskopien der Daten des Rechners, sondern ermöglicht auf eine Apple-typisch intuitive Art, gelöscht oder verloren geglaubte Daten wieder aufzustöbern. Die Datenwiederherstellung wird dazu als "Zeitreise" dargestellt, mit der an fast jeden beliebigen Zeitpunkt zurückgefahren werden kann.

Auch neu ist die "Spaces"-Funktion. Hier lassen sich für verschiedene Anforderungen Arbeitsumgebungen auf dem digitalen Schreibtisch schaffen, zwischen denen man einfach per Mausklick hin- und herschalten kann. So kann man beispielsweise einen "Space" für Office-Anwendungen bereithalten, der nur die Daten und Programme anzeigt, die exemplarisch für den Umgang mit Word, Excel & Co. benötigt werden. Ein anderer Space könnte alles enthalten, was für online-Aktivitäten vonnöten ist, ein weiterer beispielsweise für digitalen Videoschnitt. Mit einem Klick kann man so von einer "Welt" in die andere wechseln.

Die meisten Neuheiten sind jedoch Programmverbesserungen und optische Kosmetik an einem schon jetzt rundum "erwachsenen" System. Immerhin trägt das Apple-Betriebssystem seit Kurzem auch offiziell die Würde, ein echtes "Unix"-System zu sein.

Mit Innovationszyklen von weniger als zwei Jahren legt Apple eine deutlich höhere Schlagzahl an den Tag, als Microsoft. Dort mussten sich die Kunden bisher je drei bis vier Jahre für ein großes Update gedulden. Mit Einem Vista-Nachfolger dürfte nicht vor 2010 zu rechnen sein.

Für 129 Euro verspricht Apple dem Leopard-Käufer eine "Ultimate"-Version. Diesen kleinen Seitenhieb auf Microsofts Vista-Produktpolitik konnten sich die Apple-Marketing-Profis nicht verkneifen. Und schon jetzt ist die Zahl der Vorbestellung für MacOS 10.5 größer als bei allen anderen Updates zuvor.

In einem Punkt ähneln sich MacOS und Vista jedoch: Die Hardwareanforderungen steigen zusehends: Der Leopard erwartet mindestens einen mit 867 MHz getakteten G4-PowerPC. Richtig wohl fühlt sich die Raubkatze aber erst bei Rechnern mit G5-Prozessor oder auf einem aktuellen Intel-Mac. Auch reichlich Arbeitsspeicher sind gern gesehen. Die Apple-Shareholder wird’s freuen, ist doch abzusehen, dass das anspruchvolle Betriebssystem auch den Verkauf neuer Hardware tüchtig ankurbeln wird.