Online-Kriminalität:

Schlag gegen Phishing-Bande

Zehn Festnahmen nach einer Razzia - Bankkunden wurden mit Trojanern ausgespäht. Der Schaden beläuft sich auf mehrere hunderttausend Euro.

Wiesbaden. Der Polizei ist ein großer Schlag gegen eine international agierende Bande von Internet-Betrügern gelungen. Insgesamt zehn Personen wurden bei Durchsuchungen in Bad Homburg, Düsseldorf, Köln, Frankfurt und Elmshorn festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft Bonn und das Bundeskriminalamt (BKA) am Donnerstag mitteilten. Acht der des sogenannten Phishing Verdächtigen sitzen bereits in Untersuchungshaft.

Die mutmaßlichen Betrüger sollen Passwörter und Transaktionsnummern deutscher Bankkunden mit Hilfe von Trojanern ausgespäht und so Geldbeträge im dreistelligen Bereich von den Online-Konten gestohlen haben. Die Gewinne seien derart üppig gewesen, dass sich die Männer und Frauen im Alter von 20 bis 36 Jahren einen luxuriösen Lebensstil mit Reisen, Schmuck und teuren Autos leisten konnten. Den Schaden schätzt die Polizei auf mehrere hunderttausend Euro.

Zum Ausspähen der Konto-Daten benutzte die Bande laut Staatsanwaltschaft speziell entwickelte Trojaner-Programme, die die Daten der Bankkunden abfingen. Verschickt wurden die Trojaner über E-Mails, die als wichtige Mitteilungen der Deutschen Telekom, des Internet-Aktionshauses eBay, der 1&1 Internet-AG, der GEZ und des BKA getarnt waren.

Auch über manipulierte Webseiten, sollen die Betrüger ihre Ausspäh-Programme auf fremden Rechnern eingeschleust haben, um mit den erbeuteten Daten das Geld von den Konten ihrer Opfer auf die Konten von extra angeworbene Mittelsmännern zu überweisen. Über ein ausgeklügeltes System landete dieses Geld, abzüglich der Provision für die Mittelsmänner, wieder bei einer ausländischen Bank, wo sich die Betrüger frei bedienen konnten.

Die Bonner Staatsanwaltschaft und das BKA kam den Tätern nach 18 Monaten Ermittlungsarbeit vor allem durch die enge Zusammenarbeit mit deutschen Banken auf die Schliche. Aufgrund ihres technisch hoch versierten und arbeitsteiligen Vorgehens seien die Täter der international organisierten Kriminalität zuzurechnen, erklärte das BKA. "Dieser Fall zeigt einmal mehr: Kriminelle Organisationen nutzen verstärkt das Internet, um bei vermeintlich geringem Entdeckungsrisiko enorme Gewinne zu erzielen", sagte BKA-Chef Jörg Ziercke.