Generationswechsel:

Apple präsentiert neue iPods

Wer das iPhone mehr als Technologieträger, denn als Massenprodukt verstand, konnte sich am Mittwochabend in dieser Meinung bestätigt sehen. Apple-Chef Steve Jobs zeigte der Öffentlichkeit in San Francisco die neue iPod-Familie, die mit vielen neuen Featurs daher kommt, die man bisher nur von ausgewachsenen Macs kannte. Oder vom iPhone.

Die Produktlinie besteht nun aus vier Modellen:
Der Ansteck-Winzling "iPod shuffle" ohne Display wird in fünf Farben angeboten und verfügt über eine Speicherkapazität von einem Gigabyte. Das reicht immerhin für gut 12 Stunden Musik. Passend dazu verspricht der Hersteller eine Akkulaufzeit von bis zu 12 Stunden. Die "Shuffle"-Funktion erlaubt das Befüllen des Players mit einer zufälligen Zusammenstellung aus den Songs, die in iTunes auf dem heimischen Mac oder PC gespeichert sind. Neu sind die Farben. Darunter nun auch bei diesem Modell die (Product) RED-Version. Ein Teil des Erlöses dieses Modells geht an das Afrika-Projekt von U2-Sänger Bono. Der empfohlene Verkaufspreis bleibt bei 79 Euro. Am sichtbarsten überarbeitet wurde der iPod nano. Dieser ist nicht nur noch dünner als sein Vorgänger, sondern auch fast quadratisch. Grund dafür ist das deutlich größere (2") Display mit einer Auflösung von 320 x 240 Pixel mit 240 dpi. Diese Verbesserung ist sehr hilfreich, denn der iPod nano verfügt nun auch (wie seine großen Brüder) über die Fähigkeit, Videos abzuspielen und über die "Coverflow"-Funktion. iTunes ermöglicht das Speichern von Musiktiteln und Alben mit dem zugehörigen Cover. Und in diesen kann man nun auch auf dem iPod (ab nano) blättern, was auf dem Display schick animiert wird. Außerdem lassen sich Fotos importieren, Spiele herunterladen, und es gibt Kalender und Kontakte. Den "nano" gibt’s mit 4 und 8 Gigabyte Speicher zum Preis von 149,- bzw. 199,- Euro.

Der klassische iPod nennt sich nun auch "iPod classic". Es ist das einzige Modell, das keinen Flash-RAM als Speicher verwendet, sondern konventionelle Festplatten. Diese bescheren dem Player beachtliche Speicherkapazitäten von 80 bzw. 160 Gigabyte. Und trotz dieser Kapazität ist das Gehäuse mit maximal 13,5 Millimetern (10,5 beim 80-GB-Modell) noch flacher geworden. Im Musikbetrieb soll, so Apple, eine Akkuladung beim großen Modell bis zu 40 Stunden reichen. Bei der Wiedergabe von Videos werden bis zu fünf Stunden versprochen. Auch der iPod classic bietet neben der reinen Musikplayer-Funktionalität das Stöbern per Cover Flow, Spiele, die Wiedergabe von Fotos und den Kalender. Der empfohlene Verkaufspreis liegt bei 249 Euro für die 80-Gigabyte-Version und bei 349 Euro für die große Ausführung mit 160 Gigabyte.

Ganz neu in der Produktreihe ist nun der "iPod touch". Dieser sieht nicht nur aus wie das iPhone, sondern übernimmt konsequent iPhone-Technologien in die iPod-Reihe. Der Multimedia-Player mit Spezialbegabung wir im Wesentlichen über einen großen 3,5"-Touchscreen bedient und bietet dabei genau die Bedienungs- und Handling-Eigenschaften, mit denen das iPhone zuvor für Schlagzeilen sorgte. Der Funktionsumfang des Gerätes wurde wesentlich erweitert. So verfügt der iPod touch nun über WLAN, was nicht nur die drahtlose Synchronisation mit dem heimischen Rechner ermöglicht, sondern jetzt auch einen direkten Zugang zum iTunes Musicstore. Musiktitel können so direkt vom iPod aus gekauft und herunter geladen werden. Beim nächsten Synchronisieren mit dem Rechner zuhause, werden automatisch auch die mobil erworbenen Titel auf den Mac oder PC überspielt. Auch neu: Der iPod touch verfügt über einen integrierten, ausgewachsenen Safari-Webbrowser, der uneingeschränktes Surfen im Internet ermöglicht WLAN-Verbindung vorausgesetzt. Den iPod touch gibt es mit 8 bzw. 16 Gigabyte Flash-Speicher für 299 bzw. 399 Euro.

Die neuen iPods sind in der Tat ein Generationswechsel, und der iPod touch zeigt, wohin die (mobile) Reise bei Apple geht. Die im iPhone erprobten neuen Technologien (wie der Multitouch-Bildschirm) halten nun Einzug in die iPod-Welt. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann dies auch Anwendung in zukünftigen Notebooks findet vielleicht auch irgendwann ohne Tastatur. So könnte der seinerzeit verlassene Newton-Pfad wieder aufgenommen werden und den etablierten Blackberrys und Smartphones Paroli geboten werden.

Natürlich festigt Apple mit diesem Generationswechsel auch seine Marktposition. Durch die noch engere Anbindung an den iTunes-Store und Kooperationen wie z.B. mit Starbucks in den USA, wird der Weg des Nutzers zu Apples Bezahl-Content immer kürzer und der zu etwaigen Mitbewerbern immer länger. Starbucks-Kunden können auf ihrem iPod touch sehen, welcher Musiktitel im Cafe gerade gespielt wird und diesen mit einem "Fingertipp" kaufen und herunterladen. Dafür stellt Starbucks einen kostenlosen WLAN-Internet-Zugang zur Verfügung.

Nun bleibt abzuwarten, wie die neuen Produkte bei der Kundschaft ankommen, ob sie noch Kinderkrankheiten auszukurieren haben und wie die Mitbewerber reagieren.

Die neuen iPods sollen in den nächsten Tagen in Deutschland lieferbar sein. Zum iPhone gibt es jedoch noch keinen Termin für Deutschland. Immerhin ist der Preis in den USA gerade um 200 Dollar gesenkt worden das macht Hoffnung auf einen verkraftbaren Preis in Europa.