Ist Telefonieren am Steuer gar nicht so gefährlich?

US-Studie legt nahe, dass die Handy-Nutzung weniger Unfälle verursacht als gedacht

In den USA hat jetzt eine Untersuchung herausgefunden, dass die Autofahrer zu viel tagträumen. Für die Studie eines amerikanischen Versicherers wurden Polizeiberichte aus den Jahren 2010 und 2011 ausgewertet. Daraus geht hervor, dass bei einem von zehn tödlichen Unfällen Ablenkung die Unfallursache war. Laut Analyse waren 62 Prozent der abgelenkten Fahrer gedankenverloren und träumten vor sich hin. Nur zwölf Prozent nutzten demnach ein Mobiltelefon und widmeten deshalb dem Fahren nicht die erforderliche Aufmerksamkeit.

Ist die Handynutzung am Steuer also vielleicht gar nicht so gefährlich, wie bisher viele Studien behauptet haben? Doch, meint Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der deutschen Versicherer. „Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die befragten Unfallverursacher bei ihrer polizeilichen Aussage versicherungsrelevante oder strafrechtliche Konsequenzen befürchteten.“ Damit benennt Brockmann ein durchaus schwerwiegendes Problem, vor dem die Unfallforschung steht: belastbare Daten zu erheben.

Eine Möglichkeit, tragfähige Daten zu bekommen, besteht jedoch darin, Autofahrer über einen sehr langen Zeitraum mit Kameras zu beobachten und so ihr tatsächliches Verhalten in Gefahrensituationen zu erheben – und daraus wiederum zu lernen. In einer Langzeitstudie testen die Unfallforscher diese Methode zurzeit. In einem sind sich die Forscher aber in jedem Fall einig: Egal welche Ablenkung – sie ist immer gefährlich.