Der Dacia Lodgy dCi 110 Prestige im Abendblatt-Praxistest

Großer Gepäcktransporter für die kleinen Ansprüche

Der Dacia Lodgy dCi 110 Prestige im Abendblatt-Praxistest

Ähnlich wie der Dacia Logan Kombi ist auch der Minivan Lodgy ein Raumwunder. Auf 4,50 Meter Länge stellt er 2617 Liter Laderaumvolumen zur Verfügung, sofern man nur die vorderen Sitze stehen lässt. Dafür sind ein paar Handgriffe mehr nötig, um die Sitze zu bewegen. Und die dritte Reihe versinkt auch nicht elegant im Boden, sondern will, wenn maximaler Raumbedarf besteht, schlicht ausgebaut werden.

Wenn man kein Gepäck befördert, sondern Personen, entpuppt sich der Lodgy jedoch allenfalls als durchschnittlich. Vor allem den Platz in der letzten Sitzreihe möchte man Erwachsenen kaum zumuten, schon der Zustieg nach ganz hinten ist nicht einfach zu bewerkstelligen. Wie gut die Klimaanlage im Sommer arbeitet, ist bei einer Probefahrt im Winter nicht zu testen. Die Heizleistung des Systems aber schon: Sie ist ein schlechter Witz. Man muss bei mittlerer Einstellung des Lüftungsschalters und dem Wärmeregler am Anschlag etwa 15 bis 20 Minuten fahren, bis man nicht mehr friert.

Die Antriebstechnik stammt von der Mutterfirma Renault, der knurrige 1,5-Liter-Diesel mit 107 PS bringt das Auto einigermaßen auf Trab, reißt aber keine Bäume aus. Vor allem im lang übersetzten sechsten Gang fehlt dem Lodgy jedes Temperament. Aber wenn man konsequent ab 80 km/h im letzten Gang dahinrollt, kommt man sicher auch in die Nähe des Normverbrauchs von 4,4 Litern. Bei normaler Fahrweise ist das nicht zu schaffen, und auf der Autobahn macht sich schnell der aerodynamische Nachteil eines hohen Vans bemerkbar: Werte jenseits der Sechsliter-Marke sind zwar nicht wirklich hoch, aber liegen doch um gut 50 Prozent über der Werksangabe.

Der Fahrkomfort ist ausreichend, auf schlechter Wegstrecke wird der Lodgy leicht polterig. Besonders handlich in Kurven ist der Wagen nicht. Beim Mitschwimmen im Verkehr macht das Auto aber keinen Kummer, und die Basis-Assistenzsysteme ABS und ESP sind serienmäßig an Bord - nicht nur im getesteten Topmodell, sondern schon im Basis-Lodgy für 9900 Euro. Wenn es nur um den Preis geht, führt kein Weg am Dacia Lodgy vorbei. Wem ein Auto für die Familie mehr bedeutet, als günstig von A nach B zu kommen, der hat allerdings viele Alternativen.