Trend zum aggressiven Gesicht

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Felix Rehwald

Genfer Salon: Bei vielen der Neuheiten setzen Designer auf markante Fronten.

Genf. Der Kühlergrill hatte bei Autos ursprünglich einen rein funktionalen Zweck: Die Öffnung in der Frontpartie diente dazu, ausreichend Luft in den Motorraum strömen zu lassen, damit das Aggregat während der Fahrt nicht überhitzt. Mittlerweile setzen Autohersteller die Kühlluftöffnungen aber auch zunehmend nach Design-Gesichtspunkten ein, wie sich beim Genfer Automobilsalon, der morgen für das Publikum öffnet, am Beispiel zahlreicher Neuheiten zeigt.

Zu beobachten ist neben dem Bestreben, mit Hilfe des Kühlers ein eigenständiges, oft aggressiv wirkendes «"Marken-Gesicht" zu schaffen, vor allem der Trend zur Größe. "Ingenieurtechnische Notwendigkeiten gibt es dafür eigentlich nicht", erläutert Professor Stefan Heiliger von der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. "Motoren brauchen heute nicht mehr Luft als früher."

Dennoch prangt zum Beispiel in der Frontpartie des neuen Audi A6 eine große trapezförmige Öffnung, die sich von der Motorhaubenkante bis tief in den Stoßfänger hinunterzieht. Mit dem «"Singleframe-Kühlergrill", der künftig auch weitere Modelle des Herstellers zieren wird, will Audi nach eigenen Angaben an sein traditionelles Erbe erinnern. So besaßen die Auto-Union-Rennwagen in den dreißiger Jahre einen ähnlich markanten Kühler. Entsprechend soll die Front mit der "«gefräßigen" Öffnung den sportlichen Anspruch der Marke verdeutlichen.

Ähnliches hat Peugeot mit der Formgebung des neuen 407 im Sinn: Bewusst spielt der Hersteller auf die Proportionen eines Raubtiers an. Der ovale, fast über die gesamte Fahrzeugfront gezogene Lufteinlass soll wie ein weit aufgerissener Rachen wirken. Nach Ansicht von Design-Chef Geerard Welter bringt dieses Stilmerkmal das «"Raubkatzendesign" der Marke am besten zum Ausdruck: «"Die Frontpartie unserer Fahrzeuge stellt die attraktivste Seite unseres Designs dar und bezieht sich auf den Löwen als Markenemblem."

Besonderes Augenmerk auf den Kühlergrill richten, wie in Genf deutlich wird, immer mehr Designer. Die VW-Studie Concept C etwae besitzt einen aus Aluminium gefertigten, V-förmigen Wappengrill, der bis tief in den Frontstoßfänger reicht, flankiert von zwei markanten Scheinwerfern. Zusammen ergibt das einen leicht grimmigen Blick, der laut VW-Chefdesigner Murat Günak künftig in verschiedenen Modellen der Marke wieder auftauchen wird.

Auch die neue Generation des Jaguar XK Cabrio soll durch eine veränderte Frontpartie mit tief angeordneter Kühleröffnung kraftvoller und aggressiver wirken. Die Konzernmutter Ford zeigt mit der Fiesta-Variante ST ebenfalls eine größere Kühlluftöffnung. Weitere auffallende Beispiele sind das neue Cabriolet von Rolls Royce und der Chrysler 300 C.

Neben der Markenidentität sieht Professor Heiliger noch subtilere Gründe, warum die Kühlluftöffnungen immer größere Maße annehmen: "Es passt in die Zeit, Fahrzeuge immer aggressiver aussehen zu lassen." Die Kühlluftöffnungen glichen daher zunehmend aufgerissenen Mäulern, die den Vordermann auf der Straße fast zu verschlingen drohen. Dabei spiegele sich auch die zunehmende Aggressivität im Straßenverkehr wider. Heiliger: «"Man lässt das Kräftemessen schon im Rückspiegel des anderen beginnen."

( gms )