Berlin. KI-Chatprogramme liefern täuschend echte Antworten auf Fragen. Doch sollte man in die Branche investieren? Finanztip hat die Antwort.

Hendrik Buhrs

Künstliche Intelligenz (KI) liest uns mit Siri, Alexa und Co. Wünsche von den Lippen ab, liefert uns Unterhaltung und Information. Manchmal aber auch mit bizarren Zügen: „Der Aktienmarkt ist gefallen“, verkündet forsch der smarte Bildschirm im Wohnzimmer. Erst im Kleingedruckten erfährt man, dass der Dax um sagenhafte 0,1 Prozent gesunken ist. Ob das nun eine brisante Eilmeldung wert war?

Auch wenn sich die Informatiker-Weisheit immer aufs Neue bewährt, dass eine Maschine nur so klug ist wie ihre Programmierer – und es nicht schadet, wenn die Nutzer mitdenken: KI begegnet uns mittlerweile ständig im Alltag. ChatGPT entwirft Konzepte für Marketingkampagnen. An neuer Software schreibt die KI mit, hilft im Kundenkontakt oder hat Fräulein Müller beim Chefdiktat ersetzt. Zwei Drittel der deutschen Unternehmen ab 20 Beschäftigten halten KI für das wichtigste Zukunftsthema, ermittelte der Digitalverband Bitkom in einer repräsentativen Umfrage.

Lesen Sie auch:Versicherungen abschließen – diese brauchen Sie, diese sind Geldverschwendung

Entsprechend groß ist das Interesse vieler Anlegerinnen und Anleger. Manche Ökonomen fühlen sich schon an den Dotcom-Hype zur Jahrtausendwende erinnert. Der endete für viele jedoch mit Kursrutschen und Verlusten.

Aktien: Blick in die Glaskugel kaum möglich

Die naheliegendste Spekulationsidee: mit der passenden Aktie einen satten Gewinn einstreichen. Als Beispiele dienen hier gerne die Tech-GigantenApple oder Amazon. Anfang der 2000er Jahre kosteten deren Aktien weniger als einen Euro das Stück, auf das aktuelle Kursniveau umgerechnet. Heute sind sie über 170 Euro wert. Eine steile Börsenkarriere hat auch Nvidia hingelegt. In nicht mal zwei Jahren haben sich die Aktien des Chipherstellers im Wert mehr als versechsfacht. Wer wäre da nicht gern dabei gewesen?

Weitere Artikel von Finanztip

Das Problem ist, dass solche Erfolgsgeschichten im Rückblick stringent aussehen und man unterschätzt, wie unsicher und turbulent die Etappen waren. Selbst Star-Investorinnen wie Cathie Wood können sich da verschätzen. Die Fondsmanagerin verkaufte Anfang 2023 einen großen Teil ihrer Nvidia-Aktien und verpasste den anschließenden Boom.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist eine Maßzahl, errechnet aus dem Kaufpreis einer Aktie und dem Gewinn. Nvidia beispielsweise hat aktuell ein KGV von rund 75, oder anders gesagt: Es würde 75 Jahre dauern, bis die Gewinne einen Aktienkauf zum heutigen Kurs wieder eingespielt haben. Klingt nach einer teuren Aktie. Genau das hat Cathie Wood 2023 auch gedacht und wurde eines Besseren belehrt. Sowohl „K“ als auch „G“ können weiter durch die Decke gehen – aber genauso gut fallen. Bei kleineren Firmen ist im Pleitefall auch ein Totalverlust nicht ausgeschlossen.

KI-Fonds: Riskante Anlage

Die vermeintlich sanftere Alternative zu Einzelaktien sind Fonds, in denen mehrere Wertpapiere gebündelt sind. Prinzipiell bieten sich ETFs (Exchange Traded Funds) mit einer passiven Strategie an, die ihren Aktienkorb anhand fester Regeln erstellen. Ein KI-ETF könnte etwa als Aufnahmebedingung festlegen, dass mindestens 50 Prozent der Firmenumsätze aus dem Bereich KI kommen oder dass eine bestimmte Anzahl von Patenten aus dem Sektor vorliegt.

Das Risiko beim Kauf von Einzelaktien ist nicht zu unterschätzen.
Das Risiko beim Kauf von Einzelaktien ist nicht zu unterschätzen. © DPA Images | Andreas Arnold

In Deutschland sind vier größere KI-ETFs erhältlich, in denen jeweils mehr als 100 Millionen Euro Anlegergeld steckt. Sie bilden unterschiedliche Aktienindizes nach, die zwischen 60 und 90 Unternehmen umfassen, in einem Fall rund 160. Das sind deutlich weniger als die rund 1500 Firmen, die im branchenübergreifenden Index MSCI World stecken, ganz zu schweigen von den 9000 Unternehmen im noch breiter aufgestellten ACWI IMI, der als umfassendster Maßstab für breite Aktieninvestitionen gilt.

Auch interessant:Passives Einkommen – so lassen Sie ihr Geld für sich arbeiten

Die enge Zusammenstellung des KI-Fonds ist dabei gewollt. Er soll ja möglichst passgenau die Sektoren rund um Künstliche Intelligenz repräsentieren. Was in der Praxis nicht leicht ist: Oft wird das Spielfeld großzügig definiert, denn reine KI-Konzerne sind selten. So rechnen die Indexanbieter meist noch Cloud-Computing hinzu, die Datenspeicherung in Rechenzentren. Anleger sollten sich dennoch im Klaren sein, dass solche Themen-ETFs grundsätzlich schwankungsreicher sind als der Gesamtmarkt.

Schwerpunkt lieber auf den Gesamtmarkt legen

Der Geldratgeber Finanztip empfiehlt auch im KI-Hype zu einem vielseitigeren Fonds zu greifen. Weltindizes wie der MSCI World oder der FTSE All-World können Schwächephasen in einer Branche durch das Wachstum einer anderen ausgleichen. Zudem verpassen Anleger in diesen Rundum-Paketen keinen wichtigen Trend: Nvidia, Microsoft und andere Konzerne aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz sind, meist in kleinerer Dosis, auch in ihnen enthalten. Die Beimischung eines Spezialfonds oder einer Einzelaktie schadet sicher nicht – wie bei der Verwendung mancher Resultate der KI sollte aber auch beim Investieren der Menschenverstand immer dabei sein.

Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit finanztip.de. Der Geld-Ratgeber für Verbraucher ist Teil der Finanztip-Stiftung.