Flugbeeinträchtigung

Streik am Flughafen BER: Diese Rechte haben Fluggäste jetzt

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Flugausfall: In diesen Fällen gibt es Geld zurück

Flugausfall: In diesen Fällen gibt es Geld zurück

Wenn ein Flug ausfällt, haben Reisende oft einen Anspruch auf eine Erstattung. Doch nur unter bestimmten Bedingungen ist das der Fall.

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Am 25. Januar wird am Flughafen BER kein regulärer Flugverkehr stattfinden – Grund ist ein Streik. Was können betroffene Fluggäste tun?

Berlin. 
  • Am Flughafen BER streiken am Mittwoch (25. Januar) Beschäftige von Flughafengesellschaft, Bodenverkehrsdienste und Luftsicherheit
  • Rund 35.000 Passagiere sind vom Streik betroffen und zum Teil am Flughafen BER gestrandet
  • Was haben Fluggäste im Streikfall für Rechte und wie können Sie auf die Ausfälle reagieren?

Seit heute wird am Flughafen BER gestreikt. Für Zehntausende Fluggäste hat das massive Folgen – , berichtet Julian Würzer von der "Berliner Morgenpost". Für viele Reisende ist es eine Katastrophe. Wer einen Inlandsflug gebucht hat, kann womöglich noch auf die Bahn ausweichen. Doch auch hier stellt sich die Frage: Wer kommt für die entstehenden Mehrkosten auf? Und können betroffene Fluggäste sich ihr Ticket erstatten lassen? Im Folgenden haben wir die Rechte und Ansprüche für Verbraucher im Streikfall zusammengefasst.

Streik am Flughafen: Wann Fluggäste keinen Anspruch auf eine Entschädigung haben

Die gute Nachricht: "Bei Flugannullierungen, Überbuchungen oder starken Verspätungen haben Passagiere und Passagierinnen laut europaweit geltender Fluggastrechte-Verordnung (EG Nr. 261/2004) einen Anspruch auf Entschädigung von bis zu 600 Euro", berichtet das Fachportal "Flightright". 2018 urteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH) zudem, dass auch bei Streiks für ausgefallene oder verspätete Flüge eine Entschädigung gezahlt werden muss. Hier auch interessant:

Der Haken an der Sache: Der Anspruch auf eine Entschädigung besteht bloß dann, wenn die betreffende Airline für die Ursache des Streiks verantwortlich ist. Das ist etwa der Fall, wenn das Personal der Airline streikt. Streiks von Beschäftigen der Bodenverkehrsdienste oder der Luftsicherheit fallen nicht in die Verantwortung der Airlines. Hierauf haben sie keinen Einfluss und sind infolge auch nicht zu einer Entschädigung verpflichtet – in solchen Fällen spricht man von einem "betriebsfremden Streik". Die wichtigsten Fakten auf einen Blick:

Streik am Flughafen: Anspruch auf Entschädigung – diese Voraussetzungen gelten:

  • Der Flug startet nicht oder startet verspätet – etwa, wenn das Flugzeug einen Defekt hat
  • Der Flug kommt nicht rechtzeitig (minimal drei Stunden Verspätung) am Zielflughafen an
  • Der Streik liegt nicht länger als drei Jahre zurück
  • Das Personal der Fluggesellschaft (etwa Piloten oder Bordpersonal) streikt

Flughafen: Flug wegen Streik annulliert was betroffene Fluggäste tun können

Trotzdem kann es bei solchen betriebsfremden Streiks wie am Flughafen BER in Berlin sinnvoll sein, mit der Airline oder dem Reiseveranstalter in Kontakt zu treten. Zum einen, weil es bei Verspätung oder Flugausfällen infolge von Streiks immer auf den Einzelfall ankommt und die Forderung nach einer Ausgleichszahlung schnell gestellt ist. Zum anderen zeigen sich manche Reiseveranstalter oder Fluggesellschaften kulant und bieten betroffenen Kunden zur Auswahl einen Ersatzflug oder eine Erstattung an – dazu sind sie Berichten von "Finanztip" zufolge aber nicht verpflichtet.

Nach Informationen der "Verbraucherzentrale" ist bei Pauschalreisen – wo Urlaub und Flug zusammen gebucht werden – der Reiseveranstalter der erste Ansprechpartner. Wird der Flug separat gebucht, geht der Weg direkt über die Airline. Zuvor sollte man wichtige Belege sammeln. Die Fluggastrechte-Experten von "Flightright" empfehlen, sich den Grund für die Verspätung oder die Annullierung schriftlich geben zu lassen. Zudem sollte man sich bei der Airline über Ersatztransporte erkundigen.

Flughafen-Streik: Anspruch auf Entschädigung prüfen bis zu 600 Euro möglich

Auch wichtig: Beleg von Versorgungsleistungen wie einer Hotelübernachtung oder Mietwagenbuchung sollten betroffene Fluggäste ebenfalls aufheben. Haben Verbraucher Anspruch auf eine Entschädigung – etwa, weil das Airline-Personal streikt – richtet sich die Höhe der finanziellen Entschädigung nach der Entfernung. Grundsätzlich gilt: je länger die Flugstrecke, desto höher die Entschädigung. Insgesamt gibt es drei Stufen, an denen sich betroffene Fluggäste bei der Entschädigung orientieren können:

Bezeichnung Entschädigung
Kurzstrecke bis 1.500 km 250 Euro
Mittelstrecke bis 3.500 km 400 Euro
Langstrecke ab 3.500 km 600 Euro

Unabhängig von der Entschädigung muss die Fluggesellschaft oder der Reiseveranstalter betroffene Kunden schnellstmöglich über den Flugausfall – zum Beispiel im Streikfall – informieren und eine zumutbare Alternative finden. Betroffene Fluggäste müssen hier erst einmal nicht reagieren. Bei Inlandsflügen bieten die Airlines oft ein Bahnticket als Ersatz an. Auf eigene Faust sollten Betroffene nicht einfach umbuchen oder auf die Bahn ausweichen – denn im Zweifelsfall bleibt man auf Mehrkosten sitzen.

Streik am Flughafen: Was für Rechte haben Verbraucher? Diese Online-Tools helfen

Erst, wenn die Airline nicht reagiert, sollten Betroffene aktiv werden. Auch hier gilt: Belege für Bahnticket und Co. gut aufbewahren. Was für Ansprüche man als Fluggast hat oder ob einem überhaupt eine Entschädigung zusteht, lässt sich leicht überprüfen. Verschiedene Online-Portale wie "Flightright", die Verbraucherzentrale oder auch "Finanztip" bieten in Apps oder Online-Tools sogenannte Fluggast-Rechner an. Darin geben betroffene Fluggäste ihre Daten an und bekommen über einen kurzen Fragebogen eine erste Einschätzung.

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